Rechenschaftsberichte des Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU)
Bericht 2010 ↑
1. Patienten
Im Berichtsjahr 2010 wurden im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) einschließlich der Nebenstelle in Ludwigsburg 126 Patienten aus 26 Staaten behandelt und betreut. Der Frauenanteil unter den Patienten betrug 47,6%, das Durchschnittsalter lag bei 33,2 Jahre.
Im Berichtszeitraum wurden drei Patientengruppen betreut (Mehrfachnennungen möglich):
- Folter-, „Stasi-„ und Bürgerkriegsopfer: 106 Patienten (84,1%)
- Akuttrauma: 14 Patienten (11,1%)
- Kinderkunsttherapie (deutsche und ausländische traumatisierte Kinder zwischen 9 und 17 Jahren): 21 Patienten (16,7%)
Herkunftsländer
Die beiden Hauptherkunftsländer der Patienten waren die Türkei (18,3%; n=23), wobei es sich ausnahmslos um Kurden handelte, und das Kosovo (18,3%; n=23). Die weiteren Herkunftsländer waren: Irak (9,5%; n=12), Nigeria (8,7%; n=11), Kamerun (4,0%; n=5), Algerien (4,0%; n=5), Sierra Leone (3,2%; n=4), Pakistan (2,4%; n=3), Afghanistan, Eritrea, Albanien, Gambia, Togo (je 1,6%; n=2), Aserbaidschan, Bosnien, Georgien, Kroatien, Kongo, Liberia, Marokko, Serbien, Sudan, Syrien, Vietnam (je 0,8%; n=1). 12,7% (n=16) waren Deutsche, darunter 1 „Stasi“-Opfer, 13 Akuttraumatisierte und 2 deutsche Kinder.
Behandlung
Insgesamt wurden in Ulm und in der Nebenstelle Ludwigsburg 126 Patienten betreut. In Ulm wurden die Patienten vor allem psychotherapeutisch behandelt, aber auch teilweise psychosozial unterstützt. In Ludwigsburg wurden die Patienten vor allem psychosozial begleitet und bei ihrer Integration gefördert. Es wurden insgesamt 121 Patienten (96%) längerfristig psychotherapeutisch behandelt. 112 erwachsene Patienten (88,9%) (d.h. die im Berichtszeitraum neu aufgenommenen Patienten) wurden diagnostisch untersucht. Anschließend wurde bei 87 Patienten (77,7%) begonnen, psychotherapeutisch zu arbeiten. 9 erwachsene Patienten (7,1%) waren zusätzlich in Kunsttherapie und 9 Patienten (7,1%) in medizinischer Therapie (in Ludwigsburg). Psychosoziale Unterstützung erhielten 57 Patienten (45,2%) in Form von sozialer Beratung, 35 Patienten (27,8%) durch Unterstützung bei Behörden, 19 Patienten (15,1%) durch Vermittlung in Ausbildung/ Beruf, 18 Patienten (14,3%) durch stützende Begleitung, 16 Patienten (12,7%) durch Integrationsarbeit, 9 Patienten (7,1%) durch Vermittlung einer Wohnung, 5 Patienten (4%) durch Familienzusammenführung und 5 Patienten (4%) durch Beratung vor der Anhörung beim Bundesamt. In der Ulmer Hauptstelle wurde zudem bei 21 Kindern eine Kunsttherapie durchgeführt, meist wurden die Kinder von niedergelassenen Kinderärzten und Kinderpsychiatern an uns vermittelt.
Die Anzahl der Patienten sowie die Anzahl der Akuttrauma-Patienten von 2010 war mit 118 bzw. 14 Patienten vergleichbar wie in 2009. Die Anzahl der Akuttrauma-Patienten war mit 14 Patienten vergleichbar wie in 2009 (15 Patienten). Die meisten Akuttrauma-Therapien konnten in der Regel nach kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden. Bei den chronifizierten und komplex traumatisierten Folter- und Bürgerkriegsopfern hingegen ist eine längerfristige Therapie notwendig.
Da die Deutschkenntnisse bei vielen Patienten für die Durchführung einer Psychotherapie nicht ausreichend sind, wird überwiegend mit Hilfe von Dolmetschern gearbeitet. Dies war 2010 bei 61% aller Therapien erforderlich.
Zugangswege
Der Zugang zum BFU erfolgte im Wesentlichen über Ärzte, Kliniken, Gesundheitsämter (30%), Bekannte/ Verwandte (23,8%), Beratungsstellen (20,6%), Kommunalbehörden (9,5%), Selbst (7,9%), Rechtsanwälte (1,6 %), ai – AK Asyl/ Flüchtlingsorganisationen (1,6%), Sonstige (2,4%).
Aufenthaltssituation
Von den Patienten mit Migrationshintergrund (n=111) hatten 2010 knapp 2/3 keinen gesicherten Aufenthalt: 29,0% waren Asylerstantragssteller, 26,9% stellten Asylfolgeanträge (d.h. aktuelle Duldung) und 7,5% standen sogar vor einer Abschiebung. Nur 15,1% hatten eine Aufenthaltserlaubnis (Anerkennung des Asyls oder meist krankheitsbedingter Aufenthalt), 7,5% waren Kontingentflüchtlinge.
Weitere Einzelheiten finden Sie unter Statistik.
2. Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB). Der AK-MRB ist ein Zusammenschluss von 8 Ulmer Menschenrechtsorganisationen. Das Ziel des AK liegt darin, möglichst viele Schüler in Ulm und um Ulm herum zu erreichen, um beispielsweise Unterrichtseinheiten zum Thema Menschenrechte durchzuführen. Menschenrechtsbildung soll seit der Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2000 stärker im Schulunterreicht verankert werden. Hintergrund des Engagements ist die geringe Neigung unter den Ulmer Jugendlichen, die Demokratie als schützenswertes Gut anzusehen (nur 20% der Jugendlichen Ulmer sehen lt. Ulmer Jugendstudie diese als schutzwürdig an). Deshalb bietet der AK-MRB Ulm Schulbesuche und Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie eine Vielzahl von Modulen mit Unterrichtseinheiten der Ulmer Menschenrechtseinrichtungen an. Im Jahr 2010 konnten so 200 Schüler erreicht werden. Der Arbeitskreis erhielt 2010 den „Ulmer Friedenspreis“ des Ulmer Vereins für Friedensarbeit. Dieser Preis ist mit 1000 € dotiert.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.ulmer-menschenrechtsbildung.de
3. Weitere Entwicklungen im und um das BFU herum
Beirat
Der Beirat (2009 gegründet) tagte im Jahr 2010 zwei Mal. Er setzt sich aus Vertretern der Universität Ulm, des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V. und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der deutschen Sektion von amnesty international und des REHA-Vereins zusammen. Ziel des Beirats ist die Beratung und Unterstützung der Leitung des BFU in finanzieller und politischer Hinsicht.
Die Arbeit des Fördervereins des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm
Ende 2009 bildete sich ein Kreis von Freunden des BFU mit dem Ziel, einen Förderverein des BFU (FV) aus der Taufe zu heben, um die immer wieder angespannte Finanzsituation des BFU bessern zu helfen. Der „Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm e.V.“ ist im April 2010 beim Registergericht Ulm als gemeinnütziger und mildtätiger Verein eingetragen worden und hat mittlerweile 30 Mitglieder. Der FV konnte bereits einige Veranstaltungen als wertvolle Beiträge für die Öffentlichkeitsarbeit des BFU organisieren, darunter die gut besuchten Benefizkonzerte mit dem DC Jazz Lab am 08. August und mit dem Mikail Aslan Ensemble am 01. Oktober. In Zusammenarbeit mit dem BFU und Amnesty International Ulm konnten 2010 über 50 Vorträge in Baden-Württemberg und Bayern organisiert werden. Darüber hinaus war der Förderverein bei weiteren rund 60 Veranstaltungen durch Infostände präsent.
Wir freuen uns über weitere Mitglieder im Förderverein – weitere Informationen und ein Beitrittsformular finden Sie unter: www.foerderverein-bfu-ulm.de
Die Website des BFU
Die Website des BFU wurde 2009 und 2010 komplett überarbeitet und deutlich ausgeweitet (Redaktion: Urs Fiechtner und Patrick Mosby). Dort findet sich eine Fülle von Informationen zu den Themen Trauma, Folter, Behandlung von Folteropfern im BFU, Geschichte und Gegenwart der Folter, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, Literaturhinweise, Möglichkeiten zur Mitarbeit und vieles mehr. Das Ziel der Überarbeitung und stetigen Aktualisierung der Website ist es, den Internetauftritt zu einem nachhaltigen Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit und die Spendenwerbung des BFU zu machen und gleichzeitig fundierte Informationen zum Thema bereit zu stellen. Inzwischen umfasst die Website umgerechnet rund 280 Buchseiten und verzeichnet seit ihrem Neustart ein stetig wachsendes Interesse: während im Jahr 2008 noch 5.702 Besucher/innen die Website des BFU aufgerufen haben, konnten im Jahr 2010 bereits 28.071 Besucher/innen registriert werden. Für 2011 rechnen wir mit weiterhin ansteigenden Besucherzahlen.
Fachliche Einbindung des BFU
- aktives Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „Folterüberlebende in Baden-Württemberg“
- Gründungsmitglied der BAfF (Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V.)
- Mitglied des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V.
- Mitglied des Arbeitskreis Menschrechtsbildung Ulm
- Mitglied der Gesprächsrunde der Menschenrechtsbeauftragten der Landesärztekammer Baden-Württemberg
- Mitglied in der AG West / Ulm
4. Veranstaltungen des BFU im Jahr 2010
Im Jahr 2010 wurden unter Beteiligung von Mitarbeitern des BFU 47 Veranstaltungen mit ca. 3.250 Besuchern durchgeführt. Die meisten Veranstaltungen dienten der Sensibilisierung und Information der Öffentlichkeit. Dabei wurde durch Vorträge, Workshops, Lesungen und Informationsstände über Menschenrechte, Folter und das BFU im Speziellen informiert (ca. 40 Veranstaltungen). Des Weiteren wurden zwei Benefizkonzerte sowie vier Konzertlesungen zusammen mit dem Förderverein des BFU organisiert (s.o.). Im Rahmen der Gründung des Fördervereins, des 15 jährigen Bestehens des BFU und der Verleihung des Ulmer Friedenspreises fanden weitere Veranstaltungen statt. Hauptveranstaltungsorte waren Schulen, Universitäten und öffentliche Orte (z.B. Volkshochschule, Büchereien).
5. Mitarbeiter im Jahr 2010
Die Leitung des BFU ist unterteilt in die Therapeutische Leitung (Psychologische Psychotherapeutin; angestellt) und die Organisatorische Leitung (Politologe; angestellt).
Die Versorgung der Patienten wurde darüber hinaus durch 8 weitere Psychotherapeuten (eine Ärztin sowie PsychologInnen) und 2 KunsttherapeutInnen (Honorarkräfte) sichergestellt. Des Weiteren gab es eine angestellte Verwaltungskraft. Auf Honorarbasis arbeiteten zudem ein Web-Master und ein Mitarbeiter für Finanzakquise und Öffentlichkeitsarbeit. Es gab einen externen Supervisor (Professor der Universität Ulm) für die Psychotherapeuten und eine externe Supervisorin für die Kunsttherapeuten. Die Arbeit wurde in der Hauptstelle Ulm von 2 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. In der Nebenstelle Ludwigsburg gab es eine Leiterin und 3 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen.
6. Finanzen
Das BFU wurde im Jahr 2010 finanziell gefördert durch den Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF) (ca. 25%), die Deutsche Sektion von Amnesty International (ca. 20%), die UNO-Flüchtlingshilfe e.V. (ca. 5%), Stiftungen (5 %) und von Spendern und Förderern (ca. 20%). Eine Finanzierung der Therapien erfolgte u.a. über Krankenkassen (gemäß §13,2 SGB V), die örtlichen Sozialhilfeträger (gemäß §§ 4 und 6 AsylbLG) und über Berufsgenossenschaften (ca. 25%).
Im Jahr 2010 standen einem Aufwand in Höhe von 248.830 € Erlöse von 238.400 € gegenüber. Der Jahresfehlbetrag betrug 10.430 €.
7. Danksagungen
Unser besonderer Dank für ihre vielfältige persönliche, finanzielle und ideelle Unterstützung der Arbeit des BFU geht an
Roland Vogel (amnesty international), Urs Fiechtner, Hanna Schirovsky, Lothar Heusohn, Harm Senne, Katja Mayrhöfer, Mario Stahr, Dr. Karl Holdick, Beate Merx (radio7 Drachenkinder e.V.), Dr. Götz Hartung, Samy Wiltschek, Kath. Gesamtkirchengemeinde Ulm, Gudula Dinkelbach, Reinhard Köhler (Verein für Friedensarbeit Ulm e.V.), Dr. Ulrich Vollmer, Susan Stuart, Dr. Helmut Zehender, Ingrid Grohe, Helmut Göhring, Karl-und-Maria-Maier-Stiftung, children-for-a-better-world, Dorotheen-Stiftung, Norbert Schwinn, Evang.-Luth. Kirchengemeinde Neu-Ulm, Adelheid Gerbig, Hartmut Noerpel-Schneider, Eberhard Wolf, Weltladen Göppingen, Kath. Kirchengemeinde St.-Andreas Blaustein, Leslie ter-Jung, Andreas Link, Partnerschaft Dritte Welt e.V., Ulrike Huenigen-Meinel, Dr. Stefan Labouvie, Klaus und Ulla Merkle, Albert Hierling, Dr. Werner Grimm, Dr. Eckhard Hölscher, Peter Benkesser, Gisela Jöster, Oliver Hauff.
Bericht 2009 ↑
1. Patienten
Im Berichtsjahr 2009 wurden im Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) einschließlich der Nebenstelle in Ludwigsburg 118 Patienten aus 21 Staaten behandelt und betreut. Der Frauenanteil unter den Patienten betrug 58,5%, das Durchschnittsalter 30,7 Jahre.
Im Berichtszeitraum wurden drei Patientengruppen behandelt und betreut (Doppelnennungen möglich):
- Folteropfer und Bürgerkriegsopfer: 91 Patienten
- Akuttrauma- und Missbrauchsopfer: 27 Patienten
- Kinder (darunter Missbrauchsopfer: Kinderkunsttherapie): 20 Patienten
Haupherkunftsland der Patienten war erneut die Türkei, wobei es sich ausnahmslos um Kurden aus der Türkei handelte (22,1%), gefolgt von Deutschland (20,3%) und dem Kosovo (16,1%). Die Deutschen Patienten waren keine Folteropfer, sondern Patienten im Rahmen unseres neuen therapeutischen Angebots für Akuttraumatisierte Deutsche und Menschen mit Migrationshintergrund. Die weiteren Herkunftsländer waren: Irak (7,6%), Kamerun (3,4%) Algerien (2,5%), Sierra Leone, Albanien, China, Eritrea, Iran, Libanon (je 1,7%), sowie Patienten aus weiteren 9 Staaten.
Bei 68 erwachsenen Patienten in der Ulmer Hauptstelle wurde im Berichtszeitraum eine ausführliche Diagnostik durchgeführt. Bei 20 Kindern in der Ulmer Hauptstelle wurde eine Kunsttherapie durchgeführt, meist kamen die Kinder von niedergelassenen Kinderärzten und Kinderpsychiatern zu uns. Insgesamt 109 Patienten – darunter viele aus dem Vorjahr, befanden sich in längerfristiger therapeutischer Behandlung. Bei 84 Patienten wurde eine Psychotherapie durchgeführt, bei 18 Patienten eine Kunsttherapie, 11 Patienten wurden in der Nebenstelle Ludwigsburg medizinisch betreut. 45 Patienten erhielten soziale Beratung, 24 eine Vermittlung in Ausbildung/Beruf (v.a. in der Nebenstelle Ludwigsburg), bei 23 wurden Integrationsarbeit durchgeführt (v.a. Nebenstelle LB). Bei 32 Patienten erfolgte eine Unterstützung bei Behörden.
Der Zugang erfolgte im wesentlichen über Ärzte, Kliniken, Gesundheitsämter (27,1%), Bekannte/Verwandte (20,3%), Beratungsstellen (17,8%), Kommunal-behörden (11,9%), Selbst (5,1%), Rechtsanwälte (4,1 %), ai/Flüchtlings-organisationen (3,4%), Sonstige (8,4%). Etwa 65% der Patienten hatten keinen gesicherten Aufenthalt. 23 Patienten, denen ein Aufenthaltsrecht zuerkannt worden war, erhielten umfangreiche Unterstützung bei der Integration in die deutsche Gesellschaft.
Die Anzahl der Patienten ist 2009 trotz anhaltendem Bedarf gegenüber 2008 (145 Patienten) etwas zurückgegangen. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Reduktion der Arbeit in unserer Nebenstelle in Ludwigsburg, die ausschließlich ehrenamtlich geleistet wirs. Die Mitarbeiterinnen dort haben auch aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters (alle Mitarbeiterinnen sind im Rentenalter) nicht mehr so viel Fallarbeit leisten können wie in den Jahren davor. Die Anzahl der Akuttrauma-Patienten in der Hauptstelle in Ulm lag 2009 bei 27 Patienten (=23%). Die meisten Akuttrauma-Therapien konnten meist nach kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden. Auch war die Arbeitsfähigkeit oder Schulfähigkeit der Patienten wieder hergestellt.
Bei den meist chronifiziert und komplex traumatisierten Folter- und Bürgerkriegsopfern dauert die Therapie im BFU meist längere Zeit. Insgesamt konnte im Berichtszeitraum bei 44 Patienten (Folter- und Bürgerkriegsopfer und Akuttrauma-Patienten) die Therapie mit einer deutlichen Besserung des Beschwerdebildes abgeschlossen werden.
Ein besonderes Highlight für die jugendlichen Patienten des BFU war der Aufenthalt von 10 traumatisierten Kindern auf der Finca von Peter Maffay auf Can Lompart auf Mallorca im August 2009. Dieser Aufenthalt erfolgte mit finanzieller Unterstützung durch die Peter-Maffay-Stiftung und TUI. Die Kinder und Jugendlichen wurden therapeutisch betreut von unserer Psychologin, Frau Anke Magill, und unserer Kunsttherapeutin, Frau Regine Schempp. Beide wurden unterstützt von einer Praktikantin und einer teilnehmenden Mutter, deren drei Kinder ebenfalls mitgehen durften. Für viele Kinder war es der erste Urlaub überhaupt, bzw. der erste Urlaub am Meer. Es war nach den Worten der Kinder ein unvergessliches Erlebnis.
Weitere Einzelheiten finden Sie unter Statistik.
2. EIF-Projekt
Im Berichtszeitraum wurde ferner das Projekt „Integrationsarbeit mit Migranten/Drittstaatenangehörigen – Demokratie und Politik International“ durchgeführt. Projektpartner waren die Volkshochschule Ulm und Amnesty International Ulm. Ziel dieses Projekts war es:
- Durch eine aufsuchende Struktur jene Vereine von Drittstaatenangehörigen zu besuchen, die bislang wenig in die Stadtpolitik von Ulm integriert sind (hier: verschiedene kurdische Vereine)
- Durch geeignete Themenauswahl deren Interesse an einer stärkeren Vernetzung mit den lokalpolitischen Strukturen Ulms zu befördern
- Durch Einbeziehung von Lokalpolitikern in das Projekt die Hemmschwelle zu senken, sich selbständig und aktiv um die eigenen Interessen und Themen bei der Stadtspitze und der Verwaltung zu bemühen
Das Projekt war insgesamt erfolgreich. Es wurden 6 größere Veranstaltungen mit 3 größeren kurdisch-türkischen Vereinen Ulms durchgeführt. Dabei konnten 135 Personen/Drittstaatenangehörige erreicht werden. Positiv war, dass hochrangige Vertreter der Ulmer Stadtverwaltung sowie Ulmer Stadträte der SPD und CDU und der Freien Wählergemeinschaft aktiv an diesem Projekt mitwirkten. Die Resonanz der Besucher/kurdischen Vereinsmitglieder war durchweg positiv. Tenor der Veranstaltungen war: „Wir sind froh, dass wir erstmals nach 40 Jahren als Bestandteil der Stadtkultur wahrgenommen werden.“
3. Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (ESF –Projekt)
Das BFU ist Gründungsmitglied des Arbeitskreis Menschenrechtsbildung Ulm (AK MRB). Der AK-MRB ist ein Zusammenschluss von 8 Ulmer Menschenrechtsorganisationen und wurde in 2009 von uns im Rahmen eines ESF-Projekts geleitet. Ziel war es, möglichst viele Schüler der Ulmer Weststadt zu erreichen. Menschenrechtsbildung soll seit der Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2000 stärker im Schulunterreicht verankert werden. Hintergrund des Engagements ist die geringe Neigung unter den Ulmer Jugendlichen, die Demokratie als schützenwertes Gut anzusehen (nur 20% der Jugendlichen Ulmer sehen lt. Ulmer Jugendstudie diese als schutzwürdig an). Deshalb bietet der AK-MRB Ulm Schulbesuche und Veranstaltungen an ausgewählten Orten in Ulm sowie eine Vielzahl von Modulen mit Unterrichtseinheiten der Ulmer Menschenrechts-einrichtungen an. Im Rahmen des ESF–Projekts konnten im Berichtszeitraum 600 Schüler erreicht werden. Der Arbeitskreis erhielt 2010 den „Ulmer Friedenspreis“.
Weitere Informationen finden Sie auf: ulmer-menschenrechtsbildung.de
4. Weitere Entwicklungen im und um das BFU herum
Das BFU wurde im Jahr 2009 gefördert durch den Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF), durch den Europäischen Integrationsfonds (EIF), die Deutsche Sektion von Amnesty International, die UNO-Flüchtlingshilfe e.V. sowie von Spendern und Förderern. Eine Finanzierung der Therapien erfolgte u.a. über Krankenkassen (§13,2 SGB V), die örtlichen Sozialhilfeträger (§§ 4 und 6 AsylbLG) sowie über Berufsgenossenschaften und Stiftungsmittel.
Zur Unterstützung des BFU wurde 2009 auf Anregung der Geschäftsleitung des Trägers des BFU (REHA-Verein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e.V.) ein Beirat gebildet. Dieser setzte sich zunächst aus Vertretern der Universität Ulm, des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V. und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zusammen. Ziel des Beirats ist die Beratung der Leitung des BFU in finanzieller und politischer Hinsicht.
Ende 2009 bildete sich ein Kreis von Freunden des BFU mit dem Ziel, einen Förderverein des BFU aus der Taufe zu heben, um die immer wieder angespannte Finanzsituation des BFU bessern zu helfen. Der „Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm e.V.“ ist im April 2010 beim Registergericht Ulm als gemeinnütziger und mildtätiger Verein eingetragen worden. Er hat mittlerweile 30 Mitglieder. Weitere Informationen zum Förderverein des BFU: foerderverein-bfu-ulm.de
Die Website des BFU wurde in 2009 und 2010 inhaltlich komplett überarbeitet und deutlich ausgeweitet. Insgesamt finden sich Informationen zum Thema Trauma, Folter, Behandlung von Folteropfern im BFU, Geschichte und Gegenwart der Folter, Fallbeispiele, Bezüge zur deutschen Geschichte, Literaturhinweise, Möglichkeiten zur Mitarbeit und vieles mehr. Zur Zeit umfasst die Website umgerechnet rund 250 Buchseiten und verzeichnet seit Ende 2009 stetig steigende Besucherzahlen.
Das BFU ist aktives Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „Folterüberlebende in Baden-Württemberg“, der BAFF (Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V.) und des Flüchtlingsrats Ulm/Alb-Donau-Kreis e.V., des AK-MRB (vgl. oben) sowie in verschiedenen Fachorganisationen vertreten:
Mitarbeiter im Jahr 2009
- Dipl. Psych. Gerlinde Dötsch (Therapeutische Leitung, angestellt bis 9.2009 wegen Pensionierung, ab 10.2009 als Honorarkraft tätig)
- Frau Dr. habil. Regina Kurth (Therapeutische Leitung, angestellt ab 12.2009)
- Manfred Makowitzki MA (Organisatorische Leitung)
- Prof. Dr. Harald C. Traue (Supervisor)
- Dipl. Psych. Anke Magill (Psychologische Psychotherapeutin VT, bis 10.2009)
- Dipl. Psych. Silvia Grabowski-Pamlitschka (Psychologische Psychotherapeutin /Honorarkraft)
- Dipl. Psych. Nicole Leißner (Psychologin, Honorarkraft)
- Dipl. Psych. Helmut Göhring (Psychologe, Honorarkraft)
- Heidi Gauch (Leitung der Nebnestelle Ludwigsburg, Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, ehrenamtlich)
- Cordula Gestrich (Gestalttherapeutin, Honorarkraft)
- Karsten Kretschmer (Kunsttherapeut, Honorarkraft)
- Regine Schempp (Kunsttherapeutin, Honorarkraft)
- Christa Speidel (Verwaltungskraft, angestellt)
- Dr. Ulrike Diem (Nebenstelle Ludwigsburg, ehrenamtlich)
- Adelheid Garten (Nebenstelle Ludwigsburg, ehrenamtlich
- Christa Rösch (Nebenstelle Ludwigsburg, ehrenamtlich)
Finanzen
Im Jahr 2009 standen einem Aufwand in Höhe von 252.983,70€, Erlöse von 237.245,26€ gegenüber.
Der Jahresfehlbetrag betrug -15.738,44 €.





