Nebenstelle Ludwigsburg
Angebote der Nebenstelle Ludwigsburg
- Eingangsdiagnostik für Folteropfer bzw. traumatisierte Migranten und ggf. Vermittlung zu Ärzten oder Psychotherapeuten
- Psychosoziale Begleitung und Unterstützung für Folteropfer bzw. traumatisierte Migranten
- Beratung für Asylbewerber vor und nach der Anhörung zum Asylbegehren
- Unterstützung für bleibeberechtigte Flüchtlinge in ihren Bemühungen, sich im Exilland zu integrieren
- Psychosoziale Interventionsprogramme für traumatisierte Flüchtlingskinder
- Elternberatung bei traumatisierten Kindern
Asylbewerber, darunter viele traumatisierte Flüchtlinge, werden vor ihrer Anhörung zum Asylbegehren beraten. Inzwischen hat sich die Betreuung von Folterüberlebenden mit Bleiberecht zu einem Schwerpunkt der Arbeit entwickelt. Auch kommen viele der Klienten, die eine Asylanerkennung erhalten haben, mit ihren Problemen weiterhin ins Behandlungszentrum, weil dies ihre erste vertrauensvolle Verbindung in der Wahlheimat gewesen ist, wo sie schon vor ihrer Anhörung zu ihrem Asylbegehren beraten worden sind.
In der Nebenstelle Ludwigsburg steht neben einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin auch ein Integrationstutor zur Verfügung.
Seit 2006 finden monatlich öffentliche Veranstaltungsreihen für bleibeberechtigte Flüchtlinge statt, mit externen Referenten zu Themen, die für die Flüchtlinge von besonderer Bedeutung sind, um sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden.
Die Methodik orientiert sich an der Arbeit der amerikanischen “Integration Tutors“ und beinhaltet u. a.:
- Sprachförderung
- Arbeitsförderung
- Beratungsangebote für Migranten bei Unterstützung von Behördenkontakten (wie z.B. Verwaltungssprache und Formulartraining)
- Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen und Studium in Deutschland
- Familienzusammenführung
- Einführung in das gesellschaftliche und politische System Deutschlands
Inhalte der Arbeit
- Erläuterung und Vermittlung von Therapiemöglichkeiten
- Informationen über alle Rechte und Pflichten, die mit dem neuen Aufenthaltsstatus als Asylberechtigte verbunden sind.
- Begleitung von Sprachkursen durch Hilfen beim Nacharbeiten der Lerninhalte
- Hilfe bei Behördengängen (Ausländerbehörde, Arbeitsamt), Kontakt mit Schulen
- Hilfen und Anregungen zur Nutzung örtlicher Infrastruktur- und Freizeiteinrichtungen (Sportvereine, Kirchengemeinden, Jugendhäuser, etc.)
- Bewerbungs- und Formulartraining
- Vermittlung an Jugendhilfedienste und Migrationsberatungsstellen
- Einführung in die deutsche Kultur (Verhaltenstraining und „Benimm-Regeln“ in Deutschland), Vergleich und Herausarbeitung kultureller Besonderheiten der Heimatkultur und der Kultur des deutschen Exillandes
- Fortbildungen zum Thema Asyl und Einwanderung an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen
- Trainings für traumatisierte Kinder (z.B. hinsichtlich traumabedingter Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen)
Aufgrund der Anstellung einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin stehen besonders die Kinder im Vordergrund. Häufig werden sie gezwungen, Zeuge bei Folterungen der Eltern oder älteren, Sicherheit vermittelnden Geschwistern zu sein, oder umgekehrt, diese müssen die Qualen ihrer Kinder, bzw. Geschwister erleben. Der bis dahin als Sicherheit gebender Garant angesehene Vater wird als schwach erlebt und als Risikofaktor für das eigene Leben empfunden.
Der ältere Bruder, der – vor der eigenen meistens viel stärkeren physischen Folterung – bei den Folterungen jüngerer Geschwister hilflos zusehen muss, sieht für sich keine Lebensperspektive mehr.
Ein Beispiel
Der inzwischen 20-jährige Kameruner Musiker George, der als asylberechtigt anerkannt in Karlsruhe lebt, wurde gezwungen, die Folterung seiner damals 13-jährigen Schwester, die mit ihm zusammen politische Protestlieder gesungen hat, vom Nachbarraum aus durch ein Fenster in der Wand mit zu erleben. Die Schreie, das Weinen, die Bitten seiner Schwester, die Misshandlungen zu beenden, musste er hören, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Sie verstarb unter der Folter.
Er selbst wurde viel stärkerer physischer Folter ausgesetzt, seine Träume und Gedanken aber kreisten immer nur um dieses Miterleben. Scham- und Schuldgefühle ließen ihn keine Ruhe finden. George erhielt eine fachärztliche Behandlung im Behandlungszentrum in Karlsruhe, später dann in Ludwigsburg sowie psychosoziale Betreuung. Erst jetzt scheint es ihm langsam möglich zu werden, zu sich selbst zu finden und wieder sein geliebtes Musikinstrument – die Gitarre – in die Hand zu nehmen. Mit Hilfe der Musik scheint es ihm zu gelingen, die in ihm schlummernden Möglichkeiten zur Bewältigung seines Traumas zu nutzen.
Kinder und Jugendliche mit einem solchen Erleben können – genau wie erwachsene Folterüberlebende – schwere Angst- und Depressionssymptome entwickeln. Nicht selten sind sie suizidgefährdet. Mit einem Netzwerk an Ärzten und Psychotherapeuten diesen Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu geben, wird als eine der wichtigsten Aufgaben angesehen.





