Folter und Straflosigkeit

 

 

Der Schmerz geht vorüber, aber die Demütigung bleibt

Die psychosozialen Folgen der Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverletzungen ?

Knut Rauchfuss[1]

“Name? Vorname? Beruf?” lauten die drei Eingangsfragen, mit denen der junge Untersuchungsrichter in Costa Gavras Film “Z” in beeindruckend schlichter Weise die Allmacht und die Arroganz der zum Verhör vorgeladenen obersten griechischen Offiziere mit einem Schlag bricht.
“Name? Vorname? Beruf?”, diese drei Worte, die stoische und emotionslose Korrektheit des fragenden Richters und die rhythmischen Anschläge der Gerichtsschreibmaschine signalisieren das ersehnte Ende der Straflosigkeit im Fall des 1963 ermordeten griechischen Oppositionspolitikers Grigorios Lambrakis. Für einen Augenblick erwecken sie bei den ZuschauerInnen die Illusion von Gleichheit vor dem Gesetz und lösen Genugtuung aus über die Empörung der militärischen Würdenträger angesichts ihrer Vorladung. Drei Worte, die die Uniformierten zurückwerfen auf das Niveau gewöhnlicher Verbrecher. Die Worte wecken Hoffnung, dass wenigstens zum Ende des Films der zuvor dargestellte staatliche Terror doch noch gesühnt werde. Die Illusion vom Ende der Straflosigkeit währt im Film nur wenige Minuten, denn als Costa Gavras 1969 seinen Film über den Mord an Lambrakis drehte, war längst bekannt, dass der griechische Versuch der strafrechtlichen Verfolgung der Mörder zwei Jahre zuvor bereits von einem blutigen Militärputsch erstickt worden war. Der mutige Untersuchungsrichter wurde von der Militärpolizei verhaftet und schwer gefoltert.[2]
Etwa zur selben Zeit verfasste am anderen Ende des Globus der chilenische Dichter und Komponist Victór Jara ein Lied mit dem Titel “Fragen zu Puerto Montt”. Der Text beklagt, dass die Täter eines Polizeimassakers an acht Bauern in jener südchilenischen Stadt straffrei davonkamen. Jara weist dem damaligen christdemokratischen Innenminister Chiles, Pérez Zújovic, die Verantwortung für das Massaker zu. Nur vier Jahre später wurde Victór Jara selbst durch die Folterer von Putschistengeneral Augusto Pinochet ermordet. Heute wird in Chile versucht, seinen Mörder vor Gericht zu bringen.
Die Forderung nach strafrechtlicher Verfolgung schwerer Menschenrechtsverletzungen reicht historisch weit über diese beiden Beispiele hinaus.[3] Dennoch galt es weltweit noch bis vor wenigen Jahren als normal, dass Ex-Diktatoren wie der Philippiner Ferdinand E. Marcos, der Iraner Reza Pahlewi, der Haitianer Jean-Claude Duvalier oder der Ugander Idi Amin Dada – um nur einige Namen zu nennen -allenfalls ins Exil gingen und dort einen weitgehend unbehelligten Lebensabend verbrachten. Andere, wie der Bolivianer Hugo Banzer Suárez oder der Guatemalteke Efraín Ríos Montt blieben gar im Land und traten später als Präsidentschaftskandidaten im formaldemokratischen Gewand erneut an. Wurde im Einzelfall ein ehemaliger Machthaber zur Rechenschaft gezogen, so erwartete ihn entweder ein kurzer Prozess, wie den Rumänen Nicolae Ceaucescu und seine Ehefrau Elena, oder eine Exekution gänzlich ohne Gerichtsbeschluss, wie den Nicaraguaner Anastasio Somoza im paraguayischen Exil. Strafprozesse gegen Kriegsverbrecher oder Ex-Diktatoren und ihre Handlanger, wie 1946 in Nürnberg und Tokio, 1975 in Athen[4] oder 1985 in Buenos Aires[5], blieben lange die absolute Ausnahme und nicht zuletzt die Beispiele Argentinien und Deutschland zeigen, von welch kurzer Dauer der politische Wille zu einer auch strafrechtlich basierten Vergangenheitspolitik letztlich war.

Seit einigen Jahren jedoch machen sich erste Risse in der zuvor weltumspannenden Kultur der Straflosigkeit bemerkbar. Die Einsetzung der Internationalen Tribunale und Strafgerichtshöfe für das ehemalige Jugoslawien und für Ruanda sowie die Verhaftung des chilenischen Ex-Diktators Pinochet 1998 in London, lieferten im ausgehenden 20. Jahrhundert einen entscheidenden neuen völkerrechtlichen Schub in der gerichtlichen Aufarbeitung von Kriegsund Diktaturverbrechen. Insbesondere in den Ländern des lateinamerikanischen Südens, des Cono Sur, haben Menschenrechtsorganisationen und Angehörigenvereinigungen in den letzten Jahren ernsthafte Fortschritte im Kampf gegen die jahrzehntelange Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverletzungen aus den Siebziger und Achtziger Jahren erzielt. Ohne diese unermüdlichen Kämpfe wären wesentliche internationale Konventionen und Verträge so nicht beschlossen und universelle Völkerrechtsstandards nicht in gleicher Weise etabliert worden. Auch die Einrichtung eines Internationalen Strafgerichtshofes, wie er seit 2003 in Den Haag seine Arbeit aufgenommen hat, wäre ohne die vorangegangenen Kämpfe gegen die Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverletzungen kaum denkbar gewesen.[6]
Doch was sich gegenüber den zurückliegenden Jahrzehnten durchaus als eindeutiger Erfolg darstellt, ist noch immer weit von einem Ende der Straflosigkeit entfernt. Weltweit stellen jene Fälle, die tatsächlich vor Gericht landen, nur die Spitze des Eisbergs dar und kontrastieren mit einer ansonsten noch immer weit verbreiteten Kultur der Straflosigkeit. Insbesondere seit 2003 sind zudem die zaghaften Fortschritte, die zuvor auf internationaler Ebene errungen wurden, mit einem Rollback in der Menschenrechtspolitik konfrontiert, der ursächlich eng mit der systematischen Aushöhlung von Menschenrechtsstandards im so genannten „Krieg gegen den Terror“ verbunden ist.[7]

Ab den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich auch eine Reihe akademischer Fachpublikationen mit den Anforderungen an das, was seither den Fachterminus transitional justice trägt und die Möglichkeiten und Grenzen von Justiz in Übergangsgesellschaften auszuloten versucht.[8] Je nach politischem Standort kamen die AutorInnen dabei eher zu dem Schluss, dass Wahrheitsfindung alleine, oder in Kombination mit einer strafrechtlichen Verfolgung vergangener Verbrechen, oder nur Gedenken und Versöhnungsrituale zu empfehlen seien. Im Vordergrund stand dabei das „oder“. Frieden wurde gegen Gerechtigkeit diskutiert, so wie Gerechtigkeit gegen Wahrheit aufgewogen wurde. Ebenfalls Anfang der achtziger Jahre hatte auch Louis Joinet, der damalige Sonderberichterstatter für Amnestiefragen der UN-Menschenrechtskommission, seine erste Studie über Amnestiegesetze und ihre Rolle beim Schutz und bei der Förderung der Menschenrechte vorgelegt. 1997 folgten die Berichte von El Hadji Guissé und Joinet zur Frage der Straflosigkeit für die Verantwortlichen von Verstößen gegen die Menschenrechte, die 2005 durch die Studie von Diane F. Orentlicher über die Prinzipien zum Schutz und zur Förderung der Menschenrechte im Kampf gegen die Straflosigkeit ergänzt wurden.[9] Erst Orentlicher schaffte es, die unterschiedlichen Anteile von Vergangenheitspolitik nicht hauptsächlich gegeneinander sondern in ihrer synergistischen Bedeutung zu erfassen.
Den meisten Studien ist gemeinsam, dass sie Übergangsprozesse v. a. unter sozial-und politikwissenschaftlichen Vorzeichen oder aber hinsichtlich pragmatischer Machbarkeitsanforderungen in verhandelten Übergängen untersuchen. Umfassende Studien, die die Perspektive der Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen oder die der Angehörigen von Opfern in den Vordergrund ihrer Betrachtung stellen, sind bis heute die Ausnahme.
Wer aber mit Überlebenden von Folter und Krieg arbeitet, weiß sehr genau um die traumatischen Folgen, die die Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverletzungen für die Überlebenden hat. Therapiezentren, wie z. B. die Mitgliedszentren des International Rehabilitation Council for Torture Victims (IRCT)[10] , berichten regelmäßig von ihren Erfahrungen aus Gesprächen mit KlientInnen, in denen sich abzeichnet, dass die Straflosigkeit deren therapeutischen Prozess negativ beeinflusst, den traumatischen Prozess verlängert und verschiedene damit in Zusammenhang stehende Ereignisse eine Retraumatisierung von Überlebenden bewirken können. Ab 2001 begann auch die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum, basierend auf eigenen Beobachtungen, dieses Phänomen genauer zu recherchieren und zwischen 2004 und 2007 in einem Forschungsprojekt zu untersuchen und zu dokumentieren. Die Erfahrungen von Therapiezentren und Menschenrechtsorganisationen aus 16 Ländern[11] wurden in die Untersuchung einbezogen.[12] Seit 2007 koordiniert die Medizinische Flüchtlingshilfe ein weltweites Netzwerk im Kampf gegen die Straflosigkeit.

Straflosigkeit ist mehr als die Abwesenheit von Justiz ?

Vergangenheitspolitische Debatten zeigen, dass der Begriff der „Straflosigkeit“ oftmals eine einengende Interpretation erfährt und in missverständlicher Weise ausschließlich auf die Abwesenheit strafrechtlicher Verfolgung bezogen wird. Auch wenn das Ausbleiben der Strafverfolgung schwerer Menschenrechtsverletzungen sicherlich konstituierend für die Begriffsbildung der lateinischen impunitas und ihrer späteren Eindeutschung gewesen ist, so muss „Straflosigkeit“ für die Analyse ihrer psychosozialen Folgen doch vielmehr in einem umfassenden soziokulturellen Sinne verstanden werden.
Eine „Kultur der Straflosigkeit“ erfasst die Gesellschaft als Ganzes. Die unmittelbare rechtliche Straffreiheit der Täter ist in den meisten Ländern eingebettet in eine weit reichende gesellschaftliche Negation dessen, was den Opfern und Überlebenden widerfahren ist. Sie verweigert den Zugang zu Wahrheit, d. h. sie verhindert die individuelle Aufklärung von Schicksalen ebenso, wie die gesellschaftliche Debatte über die Vergangenheit. Somit ist eine Kultur der Straflosigkeit fast immer auch eine Kultur der Ignoranz. Jede Form der öffentlichen Auseinandersetzung wird ersetzt durch ein hegemoniales System verlogener Deutungsmuster und Rechtfertigungsrhetoriken, das die historische Interpretation der Unterdrücker fortschreibt und allenfalls leicht modifiziert. Diese Ignoranz kann sowohl durch Schweigen und kollektive Amnesie hergestellt werden, als auch durch ein Überangebot an Schreckensmeldungen über die Vergangenheit, das die Omnipräsenz willkürlicher Gewalt perpetuiert, ohne aber deren Systematik und Intention aufzuzeigen. Beide Formen der Negation dessen, was den Opfern und Überlebenden tatsächlich widerfahren ist -und vor allem warum und durch wen -, stellen letztlich typische Straflosigkeitsdiskurse dar. Wie es im Fall des Verschweigens evident ist, so zielt gleichermaßen auch die entkontextualisierte Gewaltdarstellung durch eine Immunisierung der öffentlichen Wahrnehmung auf einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ab. Die vermeintliche Allgegenwärtigkeit des Verbrechens verwischt die persönliche Verantwortung konkreter Täter und wird durch ihre abstrakte Schuldzuweisung an die gesamte Gesellschaft gezielt als kollektive Mitverantwortung missverstanden. Und wo alle eine Schuld trifft, ist niemand mehr verantwortlich.[13]
Eine Kultur der Straflosigkeit verhindert damit nicht nur, dass die Verantwortlichen für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen würden, sie behindert auch das Gedenken an die Opfer und verweigert den Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen ihre gesellschaftliche Rehabilitierung. Auf diese Weise wird ihnen auch nach dem offiziellen Ende der Verbrechen die gesellschaftliche Anerkennung für das, was sie durchleben und durchleiden mussten, weiter vorenthalten. Die unmittelbare Straffreiheit der Täter fördert zudem den Fortbestand einer repressiven gesellschaftlichen Atmosphäre. Das Rechtssystem verliert seine Rolle als Garant einer symbolischen Ordnung sowie als gesellschaftliche Vermittlungsinstanz und vermag darüber hinaus seine Funktion symbolischer Genugtuung nicht einzulösen.
In diesem Klima wachsen die psychosozialen Konsequenzen der Straflosigkeit.

Trauma als psychosoziale Kategorie ?

Ähnlich wie der Straflosigkeitsbegriff, erfährt auch der Terminus „Psychotrauma“ in aller Regel eine verkürzte Interpretation, die den Blick auf seine psychosoziale Dimension verstellt. Begriffe wie „Trauma“ oder „traumatisch“ sind heute längst Bestandteil der Alltagssprache geworden, die jedeR zu kennen glaubt. Auch das „posttraumatische Belastungssyndrom“ hat in der ein oder anderen sprachlichen Wendung Einzug in die psychotherapeutische und psychiatrische Diagnostik sowie in den offiziellen Diagnoseschlüssel gehalten. Dabei wird „Trauma“ zumeist als singuläres Ereignis verstanden, dem sich folglich ein klares prä-und eben vor allem ein posttraumatisches Stadium zuordnen ließe. Dieses Traumakonzept aber wird von jenen, die über umfangreiche therapeutische Erfahrungen mit Überlebenden von Folter und Krieg verfügen, mittlerweile weitgehend abgelehnt.[14] Es mag für manch andere Formen spontaner Gewalterfahrungen (Unfälle, Katastrophen) seine Berechtigung haben, in der Arbeit mit Überlebenden von systematischen und oft lang andauernden zwischenmenschlichen Gewaltprozessen ist es wenig hilfreich.
Auch die soziologische Forschung hat sich den gesellschaftlichen Folgen von Krieg und Repression gewidmet und die in Übergangsgesellschaften wirksamen soziologischen Phänomene und Prozesse untersucht.[15] Dabei blieben jedoch deren psychologische Folgen für Überlebende in aller Regel außerhalb der Betrachtungen.
Die Folgen sozialpolitischer Gewaltprozesse hingegen lassen sich dann besser verstehen, wenn man sowohl ihre individuelle als auch ihre gesellschaftliche Dimension sowie zugleich deren Abhängigkeit untereinander betrachtet.
Der 1989 ermordete salvadorianische Sozialpsychologe Ignacio Martín-Baró[16] prägte den Begriff des „psychosozialen Traumas“, mit dem Ziel, die Einengung durch die entweder rein individualpsychologische oder aber rein soziologische Terminologie und Sichtweise zu durchbrechen. Am Beispiel des Krieges und der Unterdrückung in El Salvador analysierte er den dialektischen Charakter von individueller Psychotraumatisierung und der sozialen Dimension des Traumas.[17]
Das psychosoziale Trauma, als Produkt gewaltsamer gesellschaftlicher Verhältnisse, wird nach Martín-Baró zwar individuell erlebt, erfasst aber neben dem Individuum auch dessen unmittelbares soziales Umfeld. Die soziale Dimension des psychosozialen Traumas wird sowohl durch massenhafte direkte Betroffenheit weiter Bevölkerungskreise, als auch indirekt über die Zerstörung der sozialen Beziehungen zwischen den nur mittelbar Betroffenen erzeugt. Diese Zerstörung formt flächendeckend die kulturellen Alltagspraktiken einer gesamten Gesellschaft. Für die Überlebenden wiederum manifestieren sich die sie umgebenden zerstörten sozialen Beziehungen auf intrapsychischer Ebene.
Das psychosoziale Trauma nährt sich somit in seinem Verlauf aus der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft. Das individuelle Trauma wird daher durch den Fortbestand der Zerstörungen innerhalb des sozialen Gefüges auch auf der individuellen Ebene aufrechterhalten.
Diese dialektische Beziehung zwischen individueller traumatischer Erfahrung und gesellschaftlicher Traumatisierung erschließt sich besonders dann, wenn Trauma nicht als singuläres Ereignis, sondern als Prozess verstanden wird. Den prozesshaften Charakter des Traumas charakterisierte erstmals der Arzt und Psychoanalytiker Hans Keilson aus seinen Therapieerfahrungen mit Überlebenden der Shoah.[18] Dabei fand Keilson heraus, dass die individuellen seelischen Folgen nicht nur von einem initialen traumatischen Ereignis beeinflusst werden, sondern von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen vor allem jene von Bedeutung sind, die auf das traumatische Erlebnis folgen.[19]
Der zwischen 1982 und 1999 in Chile praktizierende Traumaexperte David Becker reformulierte und erweiterte Keilsons Konzept entlang der chilenischen Erfahrungen mit Folterüberlebenden. Gemeinsam mit anderen TherapeutInnen des Lateinamerikanischen Instituts für Seelische Gesundheit und Menschenrechte (ILAS) prägte Becker die Konzeption des kontinuierlichen Sozialpolitischen Traumatisierungsprozesses.[20]
Vor diesem Hintergrund ist das psychosoziale Trauma für die Überlebenden niemals allein abhängig von dem Ausmaß des Erlittenen, sondern unterliegt in seiner Prognose ganz entscheidend dem Verlauf der gesellschaftlichen Dimension, in der es entstanden ist. Das individuelle seelische Befinden wird durch soziokulturelle und politische Entwicklungen, in der auf die unmittelbaren Gewaltereignisse folgenden Phase, wesentlich beeinflusst. Individuum und Gesellschaft sind auf diese Weise in einem traumatischen Prozess miteinander verflochten.[21]

Psychosoziale Auswirkungen der Straflosigkeit ?

Wie also wirkt sich das Klima einer von Straflosigkeit geprägten Gesellschaft auf die Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen aus?
Am intensivsten dokumentiert wurden die psychosozialen Auswirkungen der Straflosigkeit von Diktaturverbrechen im Süden Lateinamerikas: in Chile durch die Therapiezentren CINTRAS und ILAS, in Argentinien durch das „Team für psychosoziale Arbeit und Forschung“ (EATIP) und in Uruguay durch den „Sozialen Rehabilitationsdienst“ (SER-SOC). Ihre Forschungsergebnisse haben maßgeblich zur Klärung der seelischen Folgen von politischer Repression und Straflosigkeit beigetragen.[22] Aber auch aus anderen Ländern und Kontinenten weisen Dokumente und Berichte ähnliche Erkenntnisse auf.[23]

Gerade weil Traumatisierung keine krankhafte sondern eine normale Antwort seelischer Überforderung auf eine unnormale Form überwältigender Gewalt darstellt, können traumatisierte Überlebende vielfach selbst die Dimension des Terrors, der Bedrohung und der Zerstörung, der sie ausgesetzt waren, nicht fassen. Ihre schrecklichen Erfahrungen übersteigen die schlimmsten Alpträume und Phantasien, so dass es für viele äußerst schwierig ist, das Unaussprechliche und Unvorstellbare mit anderen zu teilen, selbst nicht mit nahen Angehörigen oder engen FreundInnen. Umso größere Bedeutung käme einem breiten gesellschaftlichen Diskurs zu, der hilft, die individuellen Erfahrungen öffentlich auszusprechen und der diese in akzeptierte gesellschaftliche Wahrheiten verwandelt. Stattdessen führt eine Kultur der Straflosigkeit die hegemonialen Täterdiskurse fort und ermöglicht so auch den unbeteiligten ZuschauerInnen der Gewaltverbrechen die Fortführung ihrer Komplizenschaft des Schweigens. Straflosigkeit perpetuiert folglich die gesellschaftliche Ausgrenzung der Überlebenden unter ähnlichen, wenn auch subtileren Stigmata, in die Übergangsgesellschaft und schafft damit eine neue traumatische Sequenz. Diese wird ergänzt durch den latenten bis offenen Fortbestand der Bedrohung, die sich in der Kontinuität des gesellschaftlichen Einflusses der ehemaligen Täter manifestiert. So verbleiben Überlebende ohne eine sichere Umgebung, in der sie das Durchlittene offen aussprechen könnten, gehört würden und das ihnen angetane Unrecht anerkannt würde. Für Überlebende schwerer Menschenrechtsverletzungen stellt sich die Kultur der Straflosigkeit damit als Barriere für die Aufarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen dar. Im Vordergrund steht dabei das Fehlen der gesellschaftlichen Anerkennung für das Erlittene, die jedoch eine wichtige Voraussetzung für
die biografische Einordnung des Erlebten und die Historisierung der Ereignisse darstellen würde. Speziell für Folterüberlebende wird in einem gesellschaftlichen Klima, in dem Folterer straffrei bleiben und die begangenen Verbrechen negiert werden, das persönliche Leid strukturell angezweifelt. Solange die während der Repression propagandistisch verkehrten Täter-Opfer-Rollen nicht korrigiert werden, bleibt das unter der Folter geprägte Bild des omnipotenten Folterers wach und vertieft bei den Überlebenden Entrüstung, Zorn und Aggression vor dem Hintergrund andauernder Ohnmachtsgefühle.[24] Dies erweist sich insofern als besonders problematisch, als für zahlreiche Überlebende schwerer Menschenrechtsverletzungen die Kapazität zur Ausprägung gesunder Aggressionen durch die traumatischen Erlebnisse zerstört wurde. Wer zu viel Gewalt erlitten hat, hat oftmals die Fähigkeit verloren, das eigene aggressive Potential zu akzeptieren und Wut oder Zorn angemessen zu kanalisieren. Viele Überlebende neigen daher dazu, Aggressionen auf sich selbst zu projizieren, anstatt sie gegen die Täter zu wenden. Eine Restrukturierung des zerstörten Lebensentwurfes, sowie der Wiederaufbau von Selbstwertschätzung und -vertrauen werden durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Schweigens erschwert oder gar unterbunden. An ihre Stelle treten oftmals unvermindertes Misstrauen, Selbstzweifel und Autoaggression bei einem fortdauernden Gefühl der Erniedrigung.[25]
In einem Klima der Straflosigkeit besteht für Überlebende von Diktaturverbrechen zusätzlich eine erhöhte Verletzlichkeit gegenüber Reaktivierungen des Traumas. Übereinstimmend berichten Therapiezentren, dass sich bestimmte tagespolitische Ereignisse, auch Jahrzehnte nach der offiziellen Transformation zu einer zivilen Übergangsgesellschaft, noch immer in ihrer therapeutischen Praxis bemerkbar machen. So treten signifikante Häufungen von Konsultationen im Zusammenhang mit Situationen auf, die Erinnerungen an die Repression wachrufen, wie z. B. nach Übergriffen gegen DemonstrantInnen im Zuge sozialer Auseinandersetzungen.[26] Hinzu kommen zufällige Begegnungen mit ehemaligen Tätern im Alltag oder häufiger deren mediale Präsenz in Interviews und Talkshows, die traumatische Erinnerungen mobilisieren und zum krisenhaften Wiederaufleben von Ängsten oder anderen symptomatischen Rückfällen führen können.[27] Diese Retraumatisierungen sind zwar ursächlich eine mittelbare Folge des durch die massiven Gewalterfahrungen hervorgerufenen psychosozialen Traumas und seiner individuellen wie auch kollektiven zerstörerischen Dimension. Ihr Auftreten korrespondiert in einem Klima der Straflosigkeit jedoch unmittelbar mit Ereignissen, die eine Rückkehr der Repression befürchten lassen. Der Straflosigkeit fällt dabei ein potenzierender Effekt in Art und Umfang der Trauma-Reaktivierungen zu.[28]

Eine auf besondere Weise von Straflosigkeit betroffene Gruppe stellen die Angehörigen von Verschwundenen dar. Während der Repression, wie auch unter späteren Übergangsregierungen, waren und sind sie in aller Regel Zielobjekt staatlicher Desinformation. Die Suche nach den Verschwundenen erweist sich daher bis heute vielfach als Kontinuum aus falschen Spuren und neuen Hoffnungen, aus Sackgassen und Frustration. Daran haben auch mehr oder minder umfangreiche Aufklärungsversuche durch Wahrheitskommissionen nichts verändert. Ohne eine effektive Klärung des Schicksals der Verschwundenen aber dauert der traumatische Prozess für die Angehörigen unvermindert an. Er erreicht sogar unter den auf die Repression folgenden zivilen Übergangsregierungen regelmäßig eine neue Qualität, denn von ihnen wird erwartet, die drängenden Fragen zu beantworten. Vor diesem Hintergrund bedeutet die andauernde Suche nach Hinweisen auf das Schicksal der verschwundenen Angehörigen eine fortwährend erhöhte Verletzlichkeit für Retraumatisierungen. Und die Suche selbst bedingt immer wieder neue Konfrontationssituationen mit der Vergangenheit, die sich als neue traumatische Sequenz ereignen. Zahlreiche Beispiele belegen, dass Angehörige dabei strukturell in Situationen gedrängt wurden, in denen fragwürdige neue Informationen nur um den Preis der Akzeptanz von Straflosigkeit erhältlich sein sollten. Die damit verbundenen Entscheidungskonflikte zogen sich oft quer durch die Familien. Diejenigen, die in diesem ausweglosen Dilemma der Wahrheitssuche den Vorrang vor dem Streben nach Gerechtigkeit gaben, erlitten besonders dann Retraumatisierungen, wenn sich rückwirkend herausstellte, dass sie nur ein weiteres mal betrogen worden waren, „neue Informationen“ über das Schicksal der Verschwundenen sich als systematisch gefälscht erwiesen und Exhumierungsversuche ins Leere liefen. Therapiezentren schildern in diesen Konstellationen massive Reaktivierungen klinischer Symptome.[29]

Für zahlreiche Angehörige von Verschwundenen verhindert das gesellschaftliche Klima der Straflosigkeit auch eine effektive Trauerarbeit. Trauerarbeit ist ein komplexer emotionaler und kognitiver Prozess. Sie verfolgt das Ziel, den Verlust anzuerkennen und nach und nach zu ertragen. Trauerarbeit spielt sich in einem sozialen Raum ab, aus dem Trost und Unterstützung erfahren werden kann. Dabei spielen u. a. Erinnerungsprozesse, Abschied nehmen und die Integration des erlittenen Verlustes in das eigene Ordnungs-und Wertesystem eine wesentliche Rolle.[30] Ein formelles Beerdigungsritual und die Existenz eines Grabes unterstützen das symbolische Moment des Abschiednehmens und späteren Gedenkens, dem nicht nur eine soziokulturelle Bedeutung, sondern auch eine hohe intrapsychische Relevanz bei der Akzeptanz des Verlustes zufällt. Im Falle der Angehörigen von Verschwundenen bleibt jedoch unklar, welche Realität denn überhaupt akzeptiert werden müsste. Die vollständige Aufklärung des Schicksals der Verschwundenen wäre daher konstitutiv für eine Trauerarbeit der Angehörigen. In einer Kultur der Straflosigkeit aber ist die Wahrheitsfindung maximal erschwert und durch die offizielle Lüge ersetzt worden, mit der Folge, dass der erlittene Verlust vielfach nicht akzeptiert werden kann. Akzeptanz wird in diesem Kontext regelmäßig als Verrat empfunden und materielle Entschädigungen als Versuch der Käuflichkeit von Akzeptanz des Todes zurückgewiesen. In dieser Dynamik sind die Verschwundenen weder tot noch lebendig, sie sind abwesend und zugleich dauerhaft präsent. Dieser Konflikt zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, zwischen Wissen um den Tod und Festhalten an der lebendigen Rückkehr der Verschwundenen, kann eine psychotisierende Wirkung auf Angehörige haben.[31]

Wahrheitskommissionen als Mittel der Vergangenheitspolitik ?

Vielfach wurden daher im Rahmen staatlicher Konzepte von Vergangenheitspolitik Lösungsmöglichkeiten gesucht, die, wenn schon nicht der strafrechtlichen Aufarbeitung so doch wenigstens der Forderung nach Wahrheitsfindung gerecht werden sollten. Gerade in Fällen von ausgehandelten Übergängen war der Verzicht auf Strafverfolgung der Täter regelmäßig der Preis für deren Zugeständnis zur Einrichtung von Wahrheitskommissionen. Beginnend mit der Einsetzung der argentinischen Nationalen Kommission über das Verschwinden von Personen (CONADEP)[32] im Jahr 1983, wurden insbesondere seit den 1990er Jahren Wahrheitskommissionen zu einem weltweiten Standardinstrument der Aufarbeitung von Kriegs-und Diktaturverbrechen. Bis heute wurden mehr als 30 solcher Kommissionen eingerichtet.[33]
Die international bekannteste Wahrheitskommission arbeitete zwischen 1996 und 2000 die Verbrechen des Apartheidregimes in Südafrika auf. Diese Wahrheits-und Versöhnungskommission (TRC) trat mit dem dezidierten Anspruch an, dass allein die Wahrheitsfindung die offenen Wunden der Gesellschaft schließen und auch für die Überlebenden individuell eine heilende Wirkung entfalten sollte. Für eine Kooperation im Rahmen der Wahrheitsfindung konnten Täter im Gegenzug eine Amnestierung ihrer Verbrechen erwirken. Die Idee, der Zugang zu Wahrheit und die Konstruktion einer ‘historischen Wahrheit’ könnte zu gesellschaftlicher Versöhnung führen, war jedoch keine südafrikanische Eigenheit. Auch in andere Länder wurde mit dieser Vorstellung das südafrikanische Modell importiert. In Südafrika wurde der hoch angesetzte Anspruch jedoch von zahlreichen Studien begleitet, die feststellen sollten, inwieweit der gesellschaftliche und individuelle Heilungsanspruch der Kommission eingelöst würde.
So verglichen beispielsweise die südafrikanische Psychologin Debra Kaminer und ihr Team von der Universität Cape Town Überlebende schwerer Menschenrechtsverletzungen, die öffentlich oder individuell angehört wurden, mit denjenigen, die nicht vor der TRC ausgesagt hatten. Ein „therapeutischer“ Einfluss der TRC konnte nicht festgestellt werden. Die AutorInnen folgern, dass Wahrheitskommissionen nach dem Vorbild Südafrikas alleine keinen therapeutischen Effekt haben und weisen auf die Kritik von Überlebendengruppen hin, dass eine rechtliche Aufarbeitung der Verbrechen nicht stattgefunden hat.[34] Auch der irische Psychologe Brandon Hamber, der die „Übergangs-und Versöhnungseinheit“ am Studienzentrum für Gewalt und Versöhnung in Südafrika (CSVR) leitete, betont – gestützt auf seine Beobachtungen -, dass der Enthüllung der Wahrheit alleine keine heilende Wirkung im Sinne des TRC-Slogans „Revealing is Healing“ zukommen könne und verweist auf die durch
die Kommission unterschätzte psychosoziale Komplexität der Problematik. Ein wesentliches Problem der TRC sieht auch er in der fehlenden juristischen Aufarbeitung der Verbrechen.[35] Zehn Jahre nach der Einsetzung der TRC zogen alle relevant an der Kommission Beteiligten Bilanz. Ein zentrales Thema auf dieser Konferenz war die verbliebene Straflosigkeit und selbst der ehemalige Kommissionsvorsitzende Erzbischof Desmond Tutu gestand das Scheitern des TRC-Prozesses indirekt ein, als er öffentlich den mangelnden Kooperationswillen der straffrei ausgegangenen Täter beklagte.[36]

Zu ebenfalls ernüchternden Ergebnissen kommt eine australische Studie über die Auswirkungen der Empfangs-, Wahrheits-und Versöhnungskommission (CAVR) in Osttimor. Hierzu befragten die UntersucherInnen Mitglieder der Wahrheitskommission zu ihren Beobachtungen bei den Überlebenden. Die Befragten schätzten, dass die Mehrheit derjenigen, die vor der Kommission aussagten und an therapeutischen Workshops teilnahmen, mit dieser Situation zurechtkäme. Viele zeigten keine stärkeren psychologischen Probleme und stuften den Prozess für sich als „wohltuend“ ein. Eine bedeutende Minderheit jedoch war auch in Osttimor nicht imstande, ihre Trauer und ihre traumatischen Erinnerungen zu überwinden. Es handelte sich vor allem um Überlebende besonders schwerer Menschenrechtsverletzungen. Unter ihnen fiel eine Gruppe auf, die stark unter Aggressions-und Frustrationsschüben litt. Ihre Wut war stark an das gleichzeitige Fehlen von Gerechtigkeit geknüpft, auch vor dem Hintergrund, dass die Wahrheitskommission nur den Auftrag hatte, „geringere Straftaten“ zu untersuchen. Das Fehlen der strafrechtlichen Verfolgung zahlreicher Täter bewirkte weit verbreitete Gefühle von Ohnmacht und Zorn gegenüber einer als zynisch empfundenen Realität. „Sie haben feierliche Handlungen verrichtet, um mit meinem niedergebrannten Haus klarzukommen“, wird eine Überlebende zitiert, „aber nichts ist wegen des Mordes an meinem Mann unternommen worden. Die Killer sind noch immer frei, in West-Timor.“ Viele fühlten sich zugleich zu wenig in die Neugestaltung der Gesellschaft eingebunden und beklagten den Fortbestand ihrer sozialen Isolation. Die soziale Frage war insbesondere für die befragten Witwen von Bedeutung, die beklagten, nicht nur den Ehemann, sondern damit auch den Ernährer der Familie verloren zu haben – ohne jede Entschädigung für die Verbrechen. Von der derzeitigen Regierung fühlten sie sich im Stich gelassen und ignoriert.[37]

Im Vergleich auch mit anderen Wahrheitskommissionen lässt sich festhalten, dass diese zwar in einigen Fällen durchaus dazu beitragen konnten, die gesellschaftliche Rezeption der Vergangenheit zu beeinflussen und gelegentlich auch eine „historische Wahrheit“ über den jeweils vorangegangenen Konflikt zu definieren vermochten. Die individuelle Wahrheitsfindung aber blieb vielfach mehr als lückenhaft -speziell im Hinblick auf die Schicksale von Verschwundenen. Eine Überwindung der Straflosigkeit gelang den meisten Wahrheitskommissionen nicht[38] , und mit Blick auf die Bedürfnisse von Überlebenden
vermochten sie die fehlende juristische Ahndung schwerer Menschenrechtsverletzungen nicht zu ersetzen.
Der Anspruch auf die flächendeckende individualpsychologische Stabilisierung von Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen ließ sich durch Wahrheitskommissionen ebenfalls nicht einlösen.

Die Bedeutung von Gerechtigkeit für die Stabilisierung der Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen ?

Wenn also Wahrheitskommissionen alleine nicht die erhofften positiven Folgen für Überlebende erzielen, wie verhält es sich dann mit der Formel „Gerechtigkeit heilt“, unter der ein internationales Netzwerk gegen die Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverletzungen ankämpft?
Weltweit und kulturübergreifend erheben Überlebende schwerer Menschenrechtsverletzungen den Anspruch nach strafrechtlicher Verfolgung der Täter. Dies gilt unabhängig davon, ob die Verbrechen im Kontext von Bürgerkriegen, von Genoziden oder als Repression durch autoritäre Regime begangen wurden. Stets ist diese Forderung auf den Kernbegriff der „Gerechtigkeit“ zugespitzt, die es wiederherzustellen gilt. Dabei wird Gerechtigkeit zugleich aber durchaus in einem umfassenden gesellschaftlichen Sinn verstanden, der sich nicht allein vor den Strafgerichten abspielt.
Während die traumatisierende Wirkung der Straflosigkeit mittlerweile als gesichert gelten kann, lässt sich in einer globalen Situation, in der Straflosigkeit die Regel und die rechtsstaatliche Verfolgung schwerer Menschenrechtsverletzungen die Ausnahme darstellt, nur schwer empirische Evidenz für den mit der Formel „Gerechtigkeit heilt“ verbundenen Anspruch finden. Erste Erosionen der weltumspannenden Straflosigkeit sind selten und zumeist in den unmittelbar zurückliegenden Jahren erst erkämpft bzw. durchgesetzt worden. Sie finden sich vor allem in Argentinien, Uruguay und Chile, und ihr Beginn ist eng mit der Verhaftung des chilenischen Ex-Diktators Pinochet am 16. Oktober 1998 in London verbunden.
Immerhin konnten Beobachtungen, während Pinochet in London unter Hausarrest stand und über seine Auslieferung nach Spanien entschieden wurde, zeigen, dass viele Überlebende in Chile erstmalig begannen, über ihre traumatischen Erlebnisse zu berichten. Diese Reaktion war jedoch weniger an Pinochets unmittelbare Verhaftung geknüpft, als vielmehr an die Entscheidung des britischen High Court knapp sechs Wochen später, die Verhaftung gerichtlich zu bestätigen. Der Richterspruch hatte die Unantastbarkeit des Ex-Diktators ins Wanken gebracht, den nicht nur in Chile stark ausgeprägten Mythos eines auf dämonische Weise übermächtigen, unangreifbaren und omnipotenten Herrschers, gegen den nichts und niemand etwas ausrichten könne.[39] Ähnliche Beobachtungen konnte auch die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum in der Zusammenarbeit mit Familien, die aus dem Exil nach Chile zurückgekehrt waren, machen. In den ersten Jahren nach der Rückkehr versuchten viele, ihre persönliche Vergangenheit – Haft und Exil – gegenüber der neuen chilenischen Umgebung zu verschweigen. Erste leichte Veränderungen dieser Zurückgezogenheit leitete bereits 1995 der Prozess gegen Ex-Geheimdienstchef Manuel Contreras ein. Doch erst die Verhaftung des Ex-Diktators ließ es schließlich zu, sich wieder offen zur eigenen Vergangenheit zu bekennen.
sich noch nicht abschätzen. Vgl. CVR Peru: http://www.cverdad.org.pe/; TRC Liberia: https://www.trcofliberia.org/ und K. Rauchfuss, „Damit Dein Zeugnis Teil unserer Geschichte wird …“. Die paraguayische Kommission für Wahrheit und Gerechtigkeit übergibt ihren Abschlussbericht. In: ila Nr. 319, 10/2008 http://www.gerechtigkeit-heilt.de/texte/paraguay–10–08.html (19.09.2009)
Plötzlich waren die Straßen wieder voll mit ehemaligen DiktaturgegnerInnen, die forderten: „Schickt den Tyrannen nach Spanien!“. Das Auslieferungsverfahren in London wurde von chilenischen Überlebenden weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und von öffentlichen Kundgebungen begleitet. Mehr und mehr Folterüberlebende bekannten sich öffentlich zu ihrer Vergangenheit als Ehemalige Politische Gefangene und schlossen sich 1999 unter diesem Namen zu einer Vereinigung (AEPP) zusammen, um ihrerseits Klagen in Chile auf den Weg zu bringen. Noch Mitte der Neunziger Jahre hatten die Geschichtsbücher das Wort „Diktatur“ ebenso gemieden, wie die Alltagssprache, in der es stets nur neutral „die ehemalige Regierung“ hieß. Nun aber hieß Pinochet auch in der Öffentlichkeit: der Tyrann. Diese Veränderungen erlangten in Chile nicht nur temporäre Bedeutung, sondern hatten auch nach Pinochets Rückkehr aus London Bestand. Zahlreiche Versuche, ihm in Chile den Prozess zu machen, scheiterten zwar lange Zeit, trugen jedoch weiter zur Dekonstruktion von dessen angeblicher Allmacht und zur Zerstörung der durch die Diktatur lancierten Geschichtsinterpretation bei. Schließlich verhinderte nur noch der Tod des betagten Ex-Diktators am internationalen Tag der Menschenrechte des Jahres 2006, dass er sich – wie viele andere Diktaturvertreter -schließlich doch noch vor Gericht hätte verantworten müssen. An den spontanen Freudenfeiern, die anlässlich seines Ablebens in den Straßen Santiagos ausbrachen, waren auch zahlreiche Überlebende schwerer Menschenrechtsverletzungen und ihre Angehörigen beteiligt.[40]
Therapiezentren und Überlebende aus den Nachbarländern des Cono Sur bestätigen, dass die Verhaftung Pinochets 1998 ihre Wirkung auch über die Grenzen Chiles hinaus entfaltete. Nicht nur in Chile kam daher eine Welle von Anzeigen auf die Gerichte zu. Auch in den Nachbarländern erhielt der Kampf der Überlebenden um gesellschaftliche Anerkennung und die Strafverfolgung der Täter ihrer eigenen jeweiligen repressiven Regime neue Impulse.

In Uruguay ergab sich eine ähnliche katalytische, wenn auch international weniger beachtete Situation im Frühjahr 2006. Mit der ersten Identifizierung der nach umfangreichen Exhumierungen gefundenen sterblichen Überreste eines Verschwundenen ereignete sich nicht nur ein qualitativer Sprung in der Wahrheitsfindung, in dessen Kontext z. B. Familien, die seit Jahrzehnten geschwiegen hatten, erstmals das Verschwinden eines Angehörigen öffentlich machten. Am Tag der Beisetzung der nun identifizierten Leiche gab der Oberste Gerichtshof auch einem Klageerzwingungsverfahren gegen Ex-Diktator Bordaberry statt. Die Trauerversammlung wandelte sich in eine Massendemonstration gegen die Straflosigkeit, an der sich fast 10% aller EinwohnerInnen der Hauptstadt beteiligten. Seither hat die uruguayische Bevölkerung -in der immerhin jedeR Fünfte aller EinwohnerInnen während der Militärdiktatur festgenommen und gefoltert worden war -nicht mehr aufgehört, die vollständige Aufhebung des Amnestiegesetzes zu fordern und einen Volksentscheid in dieser Frage durchgesetzt. Das uruguayische Therapiezentrum SERSOC bestätigt die positive Bedeutung dieser gesellschaftlichen Entwicklung auch für die individuelle Therapie mit schwer traumatisierten Überlebenden.[41]

Die am weitesten reichenden Wirkungen aber zeigten sich in Argentinien, wo die Straflosigkeit der Diktaturverbrechen heute – nach langen und heftigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen -als weitgehend beseitigt gelten kann. Eine wesentliche Rolle an der Beseitigung der Straflosigkeit fällt dabei den Organisationen der Angehörigen von Verschwunden zu. Barbara Preitler charakterisierte den politischen Kampf der Angehörigen als kollektive Bewältigungsstrategie, die bereits während der Diktatur zur psychischen
Stabilisierung der Beteiligten beizutragen vermochte.[42] Aber auch nach dem Diktaturende standen die Angehörigen der Verschwundenen noch über Jahrzehnte hinweg in fundamentaler Opposition zu Regierungen, die ihnen nichts weiter als finanzielle Entschädigungen und symbolische Gedenkgesten für den Verlust ihrer Angehörigen anzubieten hatten, während dieselben Regierungen fortan die Straflosigkeit der Täter sicherten.[43] Mehr als zwanzig Jahre lang verweigerten sich insbesondere die Mütter der Plaza de Mayo hartnäckig jedweder Form von Erinnerungskultur und forderten stattdessen: „Lebendig habt ihr sie genommen, lebendig wollen wir sie zurück“. Mit dem Ende der staatlich verordneten Straflosigkeit aber änderte sich das Verhältnis der Mütter, zunächst zu Präsident Néstor Kirchner und nun zu seiner Nachfolgerin Cristina Fernández, vollständig. Gemeinsam werden Gedenkstätten errichtet und Gedenktage abgehalten und die Mütter arbeiten in weiten Teilen in politischer Kooperation mit der argentinischen Regierung.[44]

Andere Erfahrungen, insbesondere in Fällen, in denen Täter vor internationalen Gerichten abgeurteilt wurden, entfalten jedoch bisher nicht die in den Ländern des Cono Sur begonnene Dynamik.
So führte der US-amerikanische Arzt Eric Stover[45] in einer Untersuchung über die Gerechtigkeitsversprechen des Internationalen Strafgerichtshofs für Ex-Jugoslawien (ICTY) Interviews mit 87 Überlebenden aus verschiedenen Teilstaaten des ehemaligen Jugoslawien.[46] Sie wurden zu ihren Erfahrungen als ZeugInnen in Den Haag befragt. Die Mehrheit der Befragten stufte ihre Aussage vor dem Tribunal als positive Erfahrung ein, für die sie sich trotz verschiedener Kritikpunkte auch in Zukunft wieder entscheiden würden. Kritisch gesehen wurden aber die kurze Zeitdauer der Aussage vor Gericht und die im Rahmen von Gerichtsverfahren limitierte, ereignisbezogene Form der Wahrheitsfindung, die moralische Fragen kaum behandelt. Diejenigen, die ihrer Aussage selbst eine kathartische Wirkung zuschrieben, beschrieben zugleich ein Verblassen dieses Gefühls nach nur kurzer Zeit, speziell nach der Rückkehr in ihr soziales Umfeld und die von Straflosigkeit geprägten gesellschaftlichen Verhältnisse des ehemaligen Jugoslawien. Sie berichteten auch Gefühle von Hilflosigkeit, Verlassenheit und Aggression angesichts von Urteilen des Tribunals, die sie als zu milde empfanden. Auch litten ZeugInnen nicht selten unter Bedrohungen und gewaltsamen Übergriffen nach ihrer Rückkehr. Die Interviewten machten deutlich, dass „umfassende Gerechtigkeit“ mehr ist, als das, was RichterInnen in Den Haag erreichen können. Ihre Forderungen bezogen sich hauptsächlich auf eine Gerechtigkeit, die nur innerhalb und zwischen den Staaten des ehemaligen Jugoslawien realisiert werden könne und die die Auffindung und Exhumierung der Vermissten, Entschädigungsleistungen, soziale Wiedereingliederung, soziale und therapeutische Angebote für die Überlebenden und die Rückgabe gestohlenen Eigentums ebenso einschließt, wie ein umfassendes Ende der Straflosigkeit auf allen gesellschaftlichen Ebenen und im eigenen Land.

In Ruanda setzte 1994 der Sieg der Rebellenarmee dem Völkermord an ruandischen Tutsi und moderaten Hutu ein Ende. Die neue Regierung war entschlossen eine umfassende strafrechtliche Aufarbeitung der Massaker einzuleiten, doch gab es nach dem Ende des Völkermords keine funktionierenden Institutionen und damit auch kein nennenswertes Justizsystem. Gleichzeitig ging die Zahl der mutmaßlichen Täter, die zur Verantwortung gezogen werden sollten, in die Hunderttausende. Ende 1996 saßen bereits ca. 120.000 Verdächtige in Untersuchungshaft, doch weitere ca. 500.000 mutmaßliche Täter befanden sich weiter auf freiem Fuß und lebten Tür an Tür mit den Überlebenden ihrer Verbrechen. Die im selben Jahr eingerichteten Sonderkammern vermochten bis 2003 „nur“ rund 10.000 Urteile zu fällen, und die ruandische Regierung räumte ein, dass es bei diesem Tempo noch ein Jahrhundert dauern könne, bis alle Fälle abgeschlossen werden könnten. Auch am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda, der im benachbarten Tansania angesiedelt ist, wurden bisher nur knapp vierzig Urteile gegen eine Handvoll Anführer des Völkermordes gesprochen. In dieser Situation entschied sich die ruandische Regierung, Verbrechen des Völkermords auf der Basis traditioneller Dorfgerichte verhandeln zu lassen. Diese so genannte Gacaca Justiz allerdings hat mit rechtstaatlichen Verfahren wenig gemein und ist v. a. auf die Wiederherstellung der Dorfgemeinschaft ausgerichtet -nicht auf die Bedürfnisse der Überlebenden.[47]
Im Jahr 2008 veröffentlichte die britische Menschenrechtsorganisation REDRESS zusammen mit African Rights eine qualitative Studie über die Auswirkungen dieses „Labors für multiple Strafverfolgungsexperimente“ auf die Überlebenden des Genozids. Prozesse gegen ins Ausland geflüchtete mutmaßliche Völkermörder[48] wurden ebenfalls in die Studie einbezogen. Die AutorInnen interviewten 97 Überlebende in Ruanda und bezogen zusätzlich Erkenntnisse aus drei Workshops, an denen etwa 50 Überlebende teilgenommen hatten, sowie weitere Treffen mit Überlebenden im europäischen Ausland in ihre Analyse mit ein. Die TeilnehmerInnen wurden nach ihren Vorstellungen von „Gerechtigkeit“ gefragt, ob sie „Gerechtigkeit“ nach dem Völkermord überhaupt als angemessenes oder gar zentrales Ziel empfinden, nach ihrer Einschätzung der derzeitigen Strafjustiz und ob sich „Gerechtigkeit“ in ihren Alltagserfahrungen wiederfindet. Ferner wurde die Frage gestellt, was Überlebende dabei empfinden, wenn sie mit der Forderung konfrontiert werden, den Völkermord „hinter sich zu lassen“ und ob dies überhaupt möglich sei. Obgleich die Reaktionen der Befragten deutlich von ihren sehr unterschiedlichen individuellen traumatischen Erfahrungen vor, während und nach dem Genozid beeinflusst waren, erhoben sie unisono und unabhängig von ihrem jeweiligen sozialen Hintergrund, Alter, Geschlecht oder geographischen Lebensmittelpunkt die Forderung nach „Gerechtigkeit“. JedeR betonte die Notwendigkeit einer Bestrafung der Täter. Niemand fand, dass bereits genug diesbezüglich erreicht sei. Die AutorInnen fanden heraus, dass Überlebende auch 15 Jahre nach dem Genozid neben ihren alltäglichen Herausforderungen zumeist vergeblich den Kampf um Maßnahmen weiterführen, die sie als „Gerechtigkeit“ empfinden. Die in und für Ruanda vorhandenen vielfältigen Formen der juristischen Aufarbeitung des Genozids hinterließen bei den Überlebenden eher ein Gefühl von Verletztheit als von Anerkennung und wurden eher als ausgrenzend, denn als versöhnungsfördernd empfunden. Anstelle positiver Zukunftsvorstellungen dominierten Ärger und Furcht. Die von der ruandischen Regierung, wie auch vom Ausland aus erhobenen Versöhnungsforderungen wurden verärgert zurückgewiesen. Die Interviewten fühlten sich weder an den ruandischen, noch an den im Ausland abgehaltenen Gerichtsprozessen ausreichend beteiligt und im Wesentlichen fremdbestimmt. Sie beklagten, zwar als ZeugInnen gehört zu werden, jedoch keinerlei Mitgestaltungsmöglichkeiten oder Beteiligungsrechte an Entscheidungen zu erhalten. Während einige daher zunächst Hoffnungen in die Gacaca-Prozesse gesetzt und sich auch gerade aus diesen Verfahren einen Beitrag zur
Wahrheitsfindung versprochen hatten, empfanden sie schließlich ein hohes Maß an Enttäuschung und Ärger über deren formellen Ablauf und die Urteile. Insbesondere Überlebende sexualisierter Gewalt kritisierten die Prozessführung, speziell auch an den Gacaca-Dorfgerichten. Sie betonten ihr Misstrauen in die Gerichte hinsichtlich der Vertraulichkeit, mit der ihre Aussagen eigentlich behandelt werden müssten. In den Interviews machte sich darüber hinaus bemerkbar, dass in den sozialen Netzwerken der Städte und Gemeinden wenig Verständnis für die Situation traumatisierter Überlebender zu finden ist und ihre gesellschaftliche Isolierung durch Gacaca sogar stetig zugenommen habe. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der mangelnde Zeugenschutz. Bei fortbestehender Straflosigkeit macht er insbesondere die Aussage vor Gacaca zu einer gefährlichen Herausforderung für die Überlebenden, die ihnen viel Mut und Kraft abverlangt. So werden immer wieder Personen, die vor Gacaca aussagen möchten, Opfer von Gewalt durch jene, die eine Aufarbeitung des Völkermords zu verhindern suchen. Der traumatische Prozess ist daher insbesondere bei denjenigen, die in ländlichen Gemeinden bis heute den Drohungen durch in der Nachbarschaft lebende Täter ausgesetzt sind, längst in eine neue schwer belastende Sequenz eingetreten.[49]

Wie diese Studien aus Ruanda und dem ehemaligen Jugoslawien zeigen, hat in beiden Fällen die limitierte strafrechtliche Aufarbeitung nicht zu einer Beendigung der systematischen Straflosigkeit im Land selbst geführt. Beide Untersuchungen zeigen, dass die juristische Aufarbeitung in einem Kontext fortbestehender lokaler Straflosigkeit nicht die erforderliche Anerkennung für die Überlebenden bewirkt.
Die Erfahrung, dass Rechtssysteme, die ihre Funktion nicht erfüllen, die Straflosigkeit auch dann nicht aufheben, wenn einzelne oder – wie im Fall von Ruanda -eine Reihe von Prozessen geführt werden, ist auch aus anderen Ländern bekannt. Aus Guatemala, wo es formell keine Amnestie für schwere Menschenrechtsverletzungen gibt, berichtet eine spanische Studie, wie die Justiz durch die Behinderung von Prozessen und die Geringschätzung der Überlebenden, die vor Gericht als ZeugInnen auftraten, selbst zur Straflosigkeit beiträgt und sich als Quelle traumatischer Erfahrungen erweist. In einem Prozess wegen des Massakers von Xaman mussten sich die Angehörigen der Opfer anhören, dass das Delikt der „außergerichtlichen Hinrichtung“ im guatemaltekischen Strafrecht gar nicht existiert. Die Studie konnte nachweisen, dass die am Verfahren beteiligten Angehörigen fortan mit größerer Angst, Sorge und Unsicherheit sowie mit einem geringeren Selbstwertgefühl leben mussten, als die nicht als ZeugInnen aufgetretenen Angehörigen derselben Gemeinde.[50]

Welche Faktoren tragen also zur Stabilisierung von Überlebenden bei? Aus den bisherigen Untersuchungen zum Zusammenhang von unterschiedlichen Ansätzen der Vergangenheitspolitik und ihren Auswirkungen auf die Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen geht vor allem hervor, dass sie weltweit kaum angehört werden. Die Forderung nach „Gerechtigkeit“ wird von Überlebenden, wie auch von den Angehörigen der Opfer überall erhoben. Mit dieser Hoffnung auf „Gerechtigkeit“ ist jedoch nicht ausschließlich, sondern lediglich als unverzichtbarer Bestandteil, auch die Strafverfolgung der Täter gemeint. Gerade die Strafverfolgung massiv einzufordern ist dabei hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass dieser Teil von Aufarbeitung nach dem formellen Ende fast aller
gewaltsamen Konflikte lange Zeit keinerlei Rolle spielte und auch bis heute kaum eine angemessene Realisierung erfährt.
Im August 2004 formulierte UN-Generalsekretär Kofi Annan, was heute weltweit als Definition der Grundsätze für eine nachhaltige Vergangenheitspolitik gilt. Unter transitional justice werden seither „die verschiedenen Prozesse und Mechanismen einer Gesellschaft“ verstanden, die „zur Aufarbeitung von massiven Übergriffen in der Vergangenheit“ erfolgen und dazu dienen, „Verantwortlichkeiten zu klären, Gerechtigkeit wiederherzustellen und eine Versöhnung zu ermöglichen.“ Gemäß Annans Definition umfasst transitional justice, „Wahrheitssuche, Strafverfolgung, Entschädigungsmaßnahmen und institutionelle Reformen“, mit dem Ziel, dass sich die Gewaltereignisse nicht wiederholen. Die Ausbildung einer umfassenden Erinnerungskultur gilt darüber hinaus ebenfalls als Säule der Vergangenheitspolitik.[51]
Diese Überlegungen decken sich mit den Forderungen von Überlebenden nach Wahrheit, Erinnerung, Gerechtigkeit, Entschädigung und „Nie wieder“, die Menschenrechtsorganisationen schon seit Jahrzehnten einzufordern versuchten.
Wahrheitskommissionen können dazu beitragen, das Unaussprechliche auszusprechen, individuell empfundenen Schmerz und Trauer zu teilen und Anerkennung für das Erlittene zu erfahren. Sie helfen, Informationen zusammenzutragen, die die Aufklärung einzelner Schicksale ermöglichen, vor allem aber bereiten sie die Herausbildung einer gesellschaftlichen Wahrheit vor, die die Konstruktion eines historischen Gedächtnisses ermöglicht.
Der Schaffung und Aufrechterhaltung des kollektiven Gedächtnisses einer Gesellschaft, wie auch dem individuellen Andenken an die Opfer der Gewalt dient eine umfassende Erinnerungskultur. Sie muss alle gesellschaftlichen Bereiche erfassen, von der Bereitstellung der Archive für Forschung, Wissenschaft und die individuelle Suche nach Informationen, über Schulerziehung, Gedenkstätten, Kunst und Kultur, bis hin zur Medienberichterstattung und Hinweisen im alltäglichen Straßenbild.
Integrale Entschädigungsprogramme sollen ihren Beitrag zur umfassenden psychosozialen, politischen und kulturellen Rehabilitation der Überlebenden leisten. Eine „Wiedergutmachung“ schwerer Menschenrechtsverletzungen ist dabei nicht möglich. Nichts kann die begangenen Verbrechen ungeschehen machen. Integrale Entschädigung jedoch umfasst neben materiellen Aspekten auch symbolische Gesten, die Bereitstellung spezifischer psychosozialer Versorgung, die Aufhebung von Einschränkungen beim Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen und die Wiedereingliederung in die gesellschaftlichen Lebensabläufe. Entschädigungsprogramme müssen dabei alle Opfergruppen einbeziehen und auch die indirekten Folgen der Gewalt berücksichtigen. Sie dürfen keiner zeitlichen Limitierung unterliegen und keinesfalls mit der Forderung nach einem Schlussstrich, verordneter Versöhnung oder gar Zugeständnissen hinsichtlich der Straflosigkeit für Täter verbunden werden.
Bei der strafrechtlichen Verfolgung schwerer Menschenrechtsverletzungen geht es einerseits darum, die unmittelbaren Schuldigen und die mittelbar Verantwortlichen ihrer rechtsstaatlichen Strafe zuzuführen und damit das Vertrauen in die Rechtsinstitutionen und einen zerstörten gesellschaftlichen Wertekonsens wiederherzustellen. Sie leistet daher einen Beitrag zur zivilgesellschaftlichen Entwicklung und geht Hand in Hand mit anderen institutionellen Reformen, die eine Wiederholung der Vergangenheit verhindern sollen.
Die gerichtliche Verurteilung der Verbrechen dient andererseits auch der Neudefinition des moralischen Koordinatensystems der betroffenen Gesellschaften. Oftmals jahrzehntelang zur Bedrohung umgelogene Opfer erlangen durch die Verurteilung der tatsächlichen Täter ihre Anerkennung als Verfolgte in der öffentlichen Wahrnehmung zurück. Und Regierende, Militärs und Polizei, die zuvor über die Definitionsmacht verfügten, sich öffentlich als „Retter der Nation“, als Befreier einer bestimmten Bevölkerungsgruppe oder als Bewahrer eines Wertesystems zu stilisieren, können durch die prozessbegleitende öffentliche Debatte schließlich als Verbrecher wahrgenommen werden. In diesem Sinne leistet auch die juristische Wahrheitsfindung einen Beitrag zur Schaffung einer gesellschaftlichen Wahrheit, die sich aufgrund unterschiedlicher Ermittlungsvollmachten von der Rolle, die Wahrheitskommissionen erfüllen können, nochmals unterscheidet.
Auch direkte und individuell erfahrbare Auswirkungen für die Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen können von Strafprozessen erwartet werden. Speziell Überlebende von Folter leiden vor allem unter der Ohnmacht, die sie während der Verhöre und in der Haft in extremster Weise durchstehen mussten. Gerade dann, wenn sie aktiv dazu beitragen diejenigen anzuklagen, die ihnen diese Verbrechen angetan haben, verlassen sie bis zu einem gewissen Grad die Opferrolle, in die sie das Erlittene gedrängt hat, erlangen einen Teil von Selbstkontrolle zurück, werden initiativ, übernehmen erneut Verantwortung bei der Steuerung gesellschaftlicher Prozesse und wehren sich zeitversetzt gegen ihre Wehrlosigkeit in der durchlittenen Situation. Sie werden wieder zu handelnden Subjekten. Auf diese Weise kann die Annäherung an die traumatischen Erlebnisse dazu beitragen, das Erlittene besser in die eigene Biografie zu integrieren. Doch nicht nur diejenigen, die sich unmittelbar als KlägerInnen oder ZeugInnen an Gerichtsverfahren beteiligen, können von der strafrechtlichen Verfolgung der Täter profitieren. Auch Überlebende, die medienvermittelt ihre ehemaligen Folterer auf der Anklagebank wiedersehen, erfahren eine Entdämonisierung des scheinbar übermächtigen Täterbildes. Und sie profitieren indirekt von der Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Täter-Opfer-Rollen. Dies erleichtert es, sich gegenüber den eigenen schmerzlichen Erfahrungen zu öffnen, darüber zu reden, unter Umständen therapeutische Hilfe zu suchen und das Erlittene in die persönliche Biografie zu integrieren.

Untersuchungen haben gezeigt, dass keine dieser fünf Maßnahmen der Vergangenheitspolitik isoliert geeignet ist, den Bedürfnissen von Überlebenden gerecht zu werden und nachhaltig zu ihrer seelischen Stabilisierung beizutragen. Nur ein Zusammenwirken von Wahrheit, Gerechtigkeit, Erinnerungskultur, Entschädigungen und Maßnahmen für ein „Nie Wieder“ kann die Voraussetzungen dafür schaffen, die traumatischen Erlebnisse nach und nach zu überwinden. Bis heute jedoch ist eine Kultur der Straflosigkeit weltweit die Regel und bewirkt eine zerstörerische Verlängerung des traumatischen Prozesses.
Solange es keine Gerechtigkeit in der Folge gewaltsamer Konflikte gibt, ist der Kampf gegen Straflosigkeit daher nicht nur ein moralisch unerlässlicher Kampf um Menschenrechte, sondern auch eine Grundvoraussetzung für die nachhaltige Stabilisierung der Überlebenden.

Mit freundlicher Erlaubnis des Autors  entnommen aus:
R. Görling (Hrsg.) [2011]: Die Verletzbarkeit des Menschen. Folter und die Politik der Affekte (S. 137–163). München: Fink-Verlag.  Urheberrechte beim Autor.


  1. Knut Rauchfuss ist Arzt und Journalist. Er war mehrere Jahre in Lateinamerika und im Mittleren Osten tätig und arbeitet seit ihrer Gründung für die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum. Dort ist er als Vorstandsmitglied für die psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen sowie für die internationale Menschenrechtsarbeit und u. a. auch für die Kampagne „Gerechtigkeit heilt“ verantwortlich: http://www.gerechtigkeit-heilt.de  ↩

  2. Untersuchungsrichter Christos Sartzetakis wurde 1971 auf internationalen Druck hin aus dem Gefängnis entlassen. Nach der Rückkehr zur Demokratie kehrte er ins Richteramt zurück und bekleidete schließlich von 1985 bis 1990 das griechische Präsidentenamt.  ↩

  3. Eine gute historische Übersicht liefert: G. Robertson, Crimes Against Humanity. The Struggle for Global Justice, London 2006³  ↩

  4. In Griechenland fanden nach dem Ende der Militärdiktatur Gerichtsverfahren zur Aufarbeitung der Diktaturverbrechen statt. Im Sommer 1975 wurde den 24 Hauptverschwörern des Obristenputsches der Prozess gemacht. Sie wurden wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und anschließend zu lebenslanger Haft begnadigt. In einem zweiten Prozess wurden die berüchtigtsten Folterer der Junta verurteilt. Mehr als 100.000 Angehörige des Öffentlichen Dienstes und der Justiz wurden wegen Kollaboration mit der Junta entlassen. Die griechischen Prozesse gegen die Obristen und die Folterer der Diktatur bildeten zwischen 1946 und 1983 die einzige Ausnahme in einer globalen Straflosigkeit. Vgl. P. Nikiforos Diamandouros, Prospects for Democracy in Greece: 1974–1983, in: G. O’Donnell, P. C. Schmitter, L. Whitehead, Transitions from Authoritarian Rule: Southern Europe, Baltimore 1986, S. 138–164 und amnesty international, Folter in Griechenland. Der erste Prozess gegen Folterer 1975, Baden-Baden 1977  ↩

  5. Nach dem Ende der argentinischen Militärdiktatur versuchte die Regierung Alfonsin, sich am griechischen Vorbild zu orientieren und eine begrenzte Strafverfolgung einzuleiten, die 1985 in einem Prozess gegen die Mitglieder der ersten drei Militärjuntas gipfelte. Das zu zögerliche Vorgehen führte jedoch zu erheblichem Widerstand der Armee, in dessen Folge bereits 1990 die letzten inhaftierten Militärs begnadigt wurden. Eine umfassende Darstellung des argentinischen Kampfes gegen Straflosigkeit findet sich in B. Schmolze, K. Rauchfuss, Kein Vergeben. Kein Vergessen. Der internationale Kampf gegen Straflosigkeit, Berlin 2009  ↩

  6. Eine umfassende Übersicht über die wichtigsten internationalen Erfolge, die im Kampf gegen die Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverletzungen erzielt werden konnten, findet sich in: N. Roht-Arriaza, J. Mariezcurrena, Transitional Justice in the Twenty-First Century. Beyond Truth versus Justice, New York 2006; N. Roht-Arriaza, The Pinochet Effect. Transnational Justice in the Age of Human Rights, Philadelphia 2005; G. Robertson, op. cit. Anm. 4 und B. Schmolze, K. Rauchfuss, op. cit. Anm. 6  ↩

  7. Zur Aufweichung des Folterverbots im Zuge des „Kriegs gegen den Terror“ vgl. A. Bahar, Auf dem Weg in ein neues Mittelalter? Folter im 21. Jahrhundert, München 2009  ↩

  8. z. B. G. O’Donnell, P. Schmitter, Transitions from Authoritarian Rule, Baltimore 1986; S. P. Huntington, The Third Wave. Democratization in the Late Twentieth Century, Oklahoma 1991; C. Hesse, R. Post, Human Rights in Political Transitions, New York 1999; R.G. Teitel, Transitional Justice, Oxford 2000; P. B. Hayner, Unspeakable Truths. Facing the Challenge of Truth Commissions. New York 2002.  ↩

  9. Vgl. UN Dokumente E/CN.4/Sub.2/1997/8, E/CN.4/Sub.2/1997/20/Rev.1, E/CN.4/2003/L.11/Add.4, E/CN.4/2004/88, E/CN.4/2005/102 und E/CN.4/2005/102/Add.1. sowie L. Joinet, Lutter contre l’impunité. Dix questions pour comprendre et pour agir, Paris 2002. Die UN-Dokumente sind auf der Internetseite http://www.ohchr.org/english/bodies/chr/sessions/61/lisdocs.htm abrufbar.  ↩

  10. Dem IRCT gehören weltweit 130 Mitgliedszentren an, so auch die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum. vgl. Webseite: http://www.irct.org  ↩

  11. Untersucht und berücksichtigt wurden die Erfahrungen im Kampf gegen Straflosigkeit und der Zusammenhang zwischen Straflosigkeit und seelischer Gesundheit von Überlebenden in Argentinien, Chile, El Salvador, Ex-Jugoslawien, Griechenland, Guatemala, Honduras, Kambodscha, Osttimor, Paraguay, Peru, Ruanda, Sierra Leone, Südafrika, Türkei und Uruguay. Elf Länderberichte wurden von B. Schmolze, K. Rauchfuss, op. cit. Anm. 6, veröffentlicht.  ↩

  12. Vgl. auch K. Rauchfuss, B. Schmolze, Justice heals. The impact of impunity and the fight against it on the recovery of severe human rights violations’ survivors, in: Torture 2008, Vol. 18/1, S. 38–50  ↩

  13. Insbesondere in Argentinien wurde die sensationsorientierte mediale Darstellung von Diktaturgewalt in den Jahren 1984 und 1985 von Menschenrechtsorganisationen als „Show des Horrors“ heftig kritisiert, zumal dieselben Medien geschwiegen hatten, während sich die Verbrechen nur wenige Jahre zuvor ereignet hatten. Vgl. J. J. Fariña, Psychosoziale Aspekte der Amnes(t)ie in Argentinien: Drei Schritte hin zur Freisprechung von Schuld und Verantwortung, in: H. Riquelme, Andere Wirklichkeiten – andere Zugänge Studien zur transkulturellen Psychiatrie und Psychologie in Lateinamerika, Frankfurt am Main 1992, sowie L. Edelman, D. Kordon, Efectos psicosociales de la impunidad, in: D. Kordon, L. Edelman, D. Lagos, D. Kersner, Efectos Psiológicos y Psicosociales de la Represión Política y la Impunidad. Buenos Aires 2005, S. 125–139.  ↩

  14. Für eine umfassende Kritik der Diagnosekategorie „posttraumatisches Belastungssyndrom“ siehe D. Becker, Die Erfindung des Traumas – Verflochtene Geschichten, Freiburg 2006 und K. Rauchfuss, Ein Bündnis gegen die Zerstörung. Anforderungen an die Therapie mit Überlebenden sozialpolitischer Traumatisierungsprozesse, in: IMK & Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum, Trauma und Therapie, Köln 2003, S. 177–201  ↩

  15. vgl. Anm. 9  ↩

  16. Ignacio Martín-Baró, Professor der Sozialpsychologie und Vizerektor der Universidad Centroamericana José Simeón Cañas in San Salvador wurde am 1. November 1989 von salvadorianischen Militärs ermordet. Mit ihm starben fünf weitere Jesuiten, die wie er versucht hatten, zur friedlichen Lösung des Bürgerkrieges in El Salvador beizutragen und für die Einhaltung der Menschenrechte kämpften.  ↩

  17. z. B. in deutscher Sprache: I. Martín-Baró, Die psychischen Wunden der Gewalt, San Salvador 1988 in: W. Kempf, Verdeckte Gewalt. Psychosoziale Folgen der Kriegsführung niedriger Intensität in Zentralamerika. Argument-Sonderband 187, Hamburg, 1991, S. 29–47  ↩

  18. Keilson, der die Shoah selbst im Untergrund überlebte, arbeitete nach 1945 in Holland jahrzehntelang mit jüdischen Kriegswaisen und gilt als einer der Pioniere der Traumatherapie. Auf der Basis seiner Untersuchungen prägte er 1979 mit seinem Konzept der “sequentiellen Traumatisierung” eine Sichtweise, die das Trauma nicht länger als isoliertes Ereignis, sondern als Abfolge von traumatischen Sequenzen unterschiedlichen Charakters und unterschiedlicher Bedeutung interpretiert. In seiner Studie über jüdische Kriegswaisen sieht Keilson als erste traumatische Sequenz die Okkupation Hollands durch die deutschen Faschisten im Zweiten Weltkrieg. Die zweite Sequenz besteht in der direkten Verfolgung der Kinder bzw. ihrer Familien. Hinzu kommt eine dritte Sequenz, die durch die Nachkriegszeit charakterisiert ist. In dieser Zeit wurden die Waisenkinder adoptiert. 25 Jahre später konnte Keilson feststellen, dass die Fähigkeit, die traumatischen Ereignisse zu überwinden, weniger von der Schwere des traumatischen Ereignisses selbst, als vielmehr von der Unterstützung und Sicherheit abhing, die später von den jeweiligen Adoptivfamilien bereitgestellt wurde. vgl. H. Keilson, Sequentielle Traumatisierung bei Kindern. Untersuchungen zum Schicksal jüdischer Kriegswaisen, Stuttgart 1979  ↩

  19. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen auch die US-amerikanische Psychoanalytikerin Yael Danieli und der norwegische Psychiater Leo Eitinger in Bezug auf erwachsene Überlebende der Shoah. Vgl. L. Eitinger, Die Traumatisierung der KZ-Gefangenen und deren heutige Probleme, in: esra (Hg.), Spätfolgen bei NS-Verfolgten und deren Kindern. Berlin 1991 und Y. Danieli, International Handbook of Multigenerational Legacies of Trauma. New York 1998  ↩

  20. D. Becker, Mental Health and Human Rights: Thinking About the Relatedness of Individual and Social Processes. Vortrag auf der internationalen Konferenz “Towards a better future … building healthy communities”. Belfast, 1.–3. Oktober http://www.medicointernational.de/en/projects/social/ps_becker_en.pdf (14.09.2009)  ↩

  21. K. Rauchfuss, Flucht und Trauma, in: IMK & Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum, op. cit. Anm. 15, S. 2145  ↩

  22. Die teilweise eng miteinander zusammenarbeitenden Therapiezentren in den Ländern des Cono Sur veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse in zahlreichen Publikationen. Hier eine Auswahl der bedeutendsten Dokumente: D. Kordon, L. Edelman, Efectos Psiológicos de la Represión Política, Buenos Aires 1986; SERSOC, Represion y Olvido. Efectos psicológicos y sociales de la violencia política os décadas después. Montevideo 1995; D. Becker op. cit. Anm 15; EATIP, GTNM/RJ, CINTRAS, SERSOC, Paisajes del Dolor, Senderos de Esperanza. Salud Mental y Derechos Humanos en el Cono Sur, Buenos Aires 2002; D. Kordon, L. Edelman, D. Lagos, D. Kersner op. cit. Anm. 14 C. Madariaga, Tortura y trauma psicosocial, in: Ministerio de Salud, Consecuencias de la Tortura en la Salud de la Población Chilena. Desafíos del Presente, Santiago de Chile 2001  ↩

  23. Vgl. K. Rauchfuss, Gerechtigkeit heilt -Zur Bedeutung des Kampfes gegen Straflosigkeit für die Stabilisierungsprognose bei Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen, in: Zeitschrift für Politische Psychologie, Bd. 14, Nr. 1/2 2006, S. 65–94 und B. Schmolze, K. Rauchfuss op. cit. Anm. 6  ↩

  24. Vgl. Madariaga, Carlos, Modernidad y retraumatización: lo público y lo privado en el sujeto social cileno, in: EATIP et al. op. cit. Anm. 23, S. 71–84 und M. d. R Arregui de Azpiroz, Papel de las instituciones de Derechos Humanos en la atención a las víctimas de la violencia organizada, in: SER-SOC op. ct. Anm. 23, S. 17–23  ↩

  25. K. Rauchfuss, B. Schmolze op. cit Anm. 13; D. Becker, Reconciliation – The wrong track to Peace, in: Intervention: International Journal of Mental Health, Psychological Work and Counselling in Areas of Armed Conflict Bd. 3, Nr. 3, 2005, S. 167–179 und D. Becker, op. cit. Anm. 15, S. 123  ↩

  26. L. Edelman, D. Kordon, op. cit. Anm. 14, S. 130  ↩

  27. D. Kordon, L. Edelman, D. Lagos, D. Kersner, Trauma social y psiquismo. Conseuencias clínias de la violación de derechos humanos, in: EATIP et al., op. cit. Anm. 23, S. 85–100 und D. Becker, Chile: Wirtschaftsmythos und Menschenrechtsrealität in der Nachdiktatur, in: K. Gabbert et al [Ed.]: Offene Rechnungen. Jahrbuch Lateinamerika, Analysen und Berichte 20. Bad Honnef 1996  ↩

  28. Vgl. K. Rauchfuss, Die Tragödie beginnt erst nach dem Ende der Verbrechen – Eine Kultur der Straflosigkeit behindert die Rehabilitation von Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen, in: Peripherie: Bd. 109/110 2008, S. 61–82  ↩

  29. Vgl. K. Rauchfuss op. cit. Anm. 24 und B. Schmolze, K. Rauchfuss op. cit. Anm. 6  ↩

  30. Über Trauer und Trauerprozesse bei Angehörigen von Verschwundenen vgl. B. Preitler, Ohne jede Spur … Psychotherapeutische Arbeit mit Angehörigen „verschwundener“ Personen. Gießen 2006, S. 36ff  ↩

  31. Vgl. K. Rauchfuss op. cit. Anm. 29 und B. Preitler op. cit. Anm. 31, sowie Kordon et al. op cit. Anm. 28, S. 86  ↩

  32. Lediglich Uganda (1974) und Bolivien (1982) hatten bereits vor Argentinien Wahrheitskommissionen eingesetzt. Beide Kommissionen legten jedoch nie einen Bericht vor.  ↩

  33. Einen ausführlichen Überblick über die Wahrheitskommissionen zwischen 1974 und 2000 gibt P. B. Hayner, op. cit Anm. 9. Über Wahrheitskommissionen in Lateinamerika siehe auch A. Oettler, Mehrdimensionale Aufarbeitung. Wahrheitskommissionen in Lateinamerika, in: Lateinamerika Analysen , Nr. 14/2006, S. 113–139. Eine kritische Analyse der Wahrheitskommissionen in Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay, Guatemala, Südafrika, Sierra Leone und Osttimor findet sich in B. Schmolze, K. Rauchfuss, op. cit. Anm. 6  ↩

  34. Vgl. D. Kaminer, D. J. Stein, I. Mbanga, N. Zungu-Dirwayi, The Truth and Reconciliaton Commission in South Africa: relation to psychiatric status and forgiveness among survivors of human rights abuses, in: British Journal of Psychiatry 178/2001, S. 373–377 und Centre for the Study of Violence and Reconciliation (CVSR), Khulumani Support Group, Survivors’ Perceptions of the Truth and Reconciliation Commission and Suggestions for the Final Report, Johannesburg 1998  ↩

  35. B. Hamber, Does the Truth Heal? A Pschological Perspective on the Political Strategies for Dealing with the Legacy of Political Violence, in: N. Biggar, Buryng the Past: Making Peace and Doing Justice after Civil Conflict, Washington DC 2001, S. 155–174  ↩

  36. U. Merk, Jenseits der Wahrheitskommission – auf der Suche nach Formen der Bewältigung von Gewalterfahrungen in Südafrika, in: Zeitschrift für Politische Psychologie: Bd. 14, Nr. 1/2 2006, S. 49–64  ↩

  37. D. Le Touze, D. Silove, A. Zwi, Can there be healing without justice? Lessons from the Commission for Reception, Truth and Reconciliation in East Timor, in: Intervention: International Journal of Mental Health, Psychological Work and Counselling in Areas o Armed Conflict, Vol. 3, No. 3 2005, S. 192–202.  ↩

  38. Teilweise Ausnahmen bilden die peruanische CVR, die paraguayische CVJ und die liberianische TRC, die konkrete Forderungen nach strafrechtlicher Verfolgung von Tätern stellten und die nötigen Beweismittel für Anklagen vorlegten. In Peru jedoch garantieren andere Mechanismen bis heute die Straflosigkeit für jene Verbrechen, die -unter der Präsidentschaft des heute wiedergewählten Alan Garcia -bereits vor der Fujimori-Diktatur begangen wurden. Die Folgen der relativ jungen Abschlussberichte aus Liberia und Paraguay lassen  ↩

  39. A. Dorfman, Den Terror bezwingen. Der lange Schatten General Pinochets, Hamburg 2003, S. 72  ↩

  40. K. Rauchfuss op. cit. Anm. 24; B. Schmolze, K. Rauchfuss, op. cit. Anm. 6, S. 112ff, 127–131  ↩

  41. B. Schmolze, K. Rauchfuss, op. cit. Anm. 6, S. 165ff, 176f  ↩

  42. B. Preitler op. cit. Anm. 31, S. 119–128  ↩

  43. Auch die Prozesse in den Jahren 1985 bis 1987 durchbrachen die Straflosigkeit nicht nachhaltig. Befanden sich doch Ende 1990 auch die letzten dieser Verurteilten wieder auf freiem Fuß. Vgl. Anm. 6  ↩

  44. B. Schmolze, K. Rauchfuss, op. cit. Anm. 6, S. 21–80  ↩

  45. Eric Stover ist Direktor des Menschenrechtszentrums der Universität Berkeley. Bis 1995 war er Exekutivdirektor von Physicians for Human Rights.  ↩

  46. E. Stover, The Witnesses: War Crimes and the Promise of Justice in The Hague. Philadelphia 2003  ↩

  47. B. Schmolze, Von Wahrheit und Gerechtigkeit nach einem Völkermord unter Nachbarn, in: B. Schmolze, K. Rauchfuss op. cit. Anm. 6, S. 219–315  ↩

  48. Ermittlungen oder Prozesse gegen ins Ausland geflüchtete Täter gab es in Belgien, Kanada, Großbritannien, Finnland, Deutschland, Neuseeland, der Schweiz, den Niederlanden und den USA.  ↩

  49. REDRESS, African Rights, Survivors and Post-Genocide Justice in Rwanda. Their Experiences, Perspectivesand Hopes. London 2008  ↩

  50. M. L. Cabrera Pérez-Armiñan, Violencia e impunidad en las comunidades mayas de Guatemala: La masacre de Xamán. Madrid, 2004  ↩

  51. K. Annan, The Rule of Law and Transitional Justice in Conflict and Post-Conflict Societies. Report of the UN Secretary-General, S/2004/616, 7 New York  ↩

 

 

 

 

 

Justice heals: The impact of impunity and the fight against it on the recovery of severe human rights violations’ survivors

Knut Rauchfuss, MD & Bianca Schmolze, BA, BSc

Abstract ?

Case studies show that traumatized refugees, who are survivors of serious human rights violations, suffer from persisting impunity in their home countries.
Ongoing impunity – the inability to overcome the legal protection of the perpetrators assured by impunity laws, incomplete truthfinding, missing integral reparation and a lack of the necessary acknowledgement by society – represents an important obstacle for the recovery of survivors of serious human rights violations.
There are reports describing that a high percentage of survivors shows an elevated mental vulnerability caused by impunity. Mental health problems resulting from traumatic experiences can persist or be reactivated by certain events. In particular, family members of the forcibly disappeared suffer from an incomplete mourning due to the uncertain fate of their beloved ones. The ongoing search for the forcibly disappeared under an atmosphere of impunity puts family members under high risk of retraumatization. Studies from other continents also prove that impunity severely affects mental health.
Due to the global character of impunity there can be only little evidence about a positive impact of justice on mental health. Nevertheless, a few examples, in particular from Latin America, show that the combined implementation of memory, truth and justice can have a healing impact on those who suffer from trauma. They demonstrate that the fight against impunity is not only a legitimate moral struggle for human rights, but also a basic need for the sustainable recovery of survivors.

Introduction ?

The psychosocial impact of man-made disasters has attracted increasing attention during the last three decades. Scientific research work has mostly drawn attention to the mental health of individuals who survived severe human rights violations, to symptoms and diagnostic instruments as well as to different methods of individual or group therapy.
At the same time human rights organizations tried to hold the perpetrators responsible for the crimes that have been committed through wars or by authoritarian regimes. Although there have been trials against the Greek generals and torturers in 1975, and attempts to bring perpetrators to court as for example in post-dictatorship Argentina between 1983 and 1987, a real development to combine political transition with justice started, with much delay, with the arrest of Chilean dictator Augusto Pinochet in London less than ten years ago. Since then the necessity of justice in the aftermath of gross human rights violations has been discussed, but only as either a measure of democratization or as a probable danger to peace and reconciliation.Whereas psychological research on trauma and therapy didn’t take the social environment and the situation of a society in transition much into account, the role of justice after atrocities has been debated regardless of its impact on survivors’ recovery from trauma.
As a human rights organization and treatment center for refugees located in Bochum, Germany, the Medical Care Service for Refugees offers medical, psychosocial and legal support to survivors of torture, war crimes and other severe human rights violations.
During psychotherapy with survivors exiled in Germany we experienced that in several cases ongoing impunity in the countries of origin affected negatively the therapeutic process.We therefore recognized impunity to be an important factor in continuing their traumatic process or causing retraumatization. In some case studies we documented our findings. The case studies included survivors of serious human rights violations from Chile, Argentina, former Yugoslavia and Turkey.[1]
In 2001 Medical Care Service for Refugees started to systematically investigate the influence of impunity on survivors’ mental health.

Methods ?

We systematized our experience from work with political refugees in exile and after their return to their home countries. From 2004 to 2007 we were able to realize a scientific re search project on different strategies to fight impunity, covering the experiences from 13 countries.[2] Although the study’s first aim was to focus on the different efforts that have been undertaken worldwide to deal with atrocities of the past, we included the question of mental health consequences of impunity in our research. The investigation covered literature research as well as personal interviews with survivors, therapy centers and human rights organizations.
The following essentials combine the experiences that have been published by the Chilean therapy centers CINTRAS[3] and ILAS[4], by EATIP[5] from Argentina, and by SER-SOC[6] from Uruguay.[7][8][9][10][11][12] Apart from their publications we analyzed a number of interviews we carried out in these three countries, as well as with ATYHA[13] in Paraguay and with the South African Khulumani Support Group.We discussed our findings internationally at the conference “Justice heals”, held in October 2005 in Bochum, Germany, where further representatives from human rights groups, therapy centers or survivor’s organizations in Cambodia, East Timor, El Salvador, Ex-Yugoslavia, France, Guatemala, Honduras, Peru, Rwanda, Sierra Leone, Turkey and from the Latin American Federation of Family Members of forcibly disappeared (FEDEFAM) followed our invitation to share experiences on impunity and mental health.
During other meetings we had the opportunity to talk to human rights activists or therapists from Algeria, Colombia, Denmark, Greece, Indonesia, Iraq, Liberia, Morocco, Mexico, the Russian Federation, Spain and South Korea as well. And as an organization based in Germany we included the German experiences too.
From the discussions on impunity and mental health, as well as from the exchange of different experiences in the fight against impunity, a worldwide “Justice heals-Network” was set up and started work in 2007. Its aim is to deepen the international cooperation and in formation exchange on the fight against impunity and to support political interventions to bring perpetrators to court.
Here we present the outcomes of our research work on the impact of impunity and the fight against it on the recovery of serious human rights violations’ survivors.

What do we mean by “impunity”? ?

On first sight and in the most common use of the term, impunity means the absence of legal justice, the protection of the perpetrators, mostly assured by impunity laws or other mechanisms to avoid their prosecution.
But impunity includes more than this. It describes a social phenomenon characterizing and affecting society as a whole. Impunity keeps alive the atmosphere of repression through out society. By denying survivor’s access to the truth, impunity continues the historical interpretation of the repressors and denies the necessary acknowledgement and reparation for victims and survivors.
So as we will explain later in further details the fight against impunity includes political measures to reveal the truth about the past, to construct a collective memory, to bring the perpetrators to court to derive integral reparation to the survivors, and structural reforms to prevent society from suffering the same kind of atrocities again.

What is our concept of trauma? ?

When talking about the impact of the fight against impunity on the recovery of serious human rights violations’ survivors we need to explain our concept of traumatic experiences and their impact on the individual and on society as a whole.
As we learnt from the research work realized by the Dutch psychoanalyst Hans Keilson, trauma is not only the result from a single act of atrocity. Keilson developed his theory of sequential traumatization after decades of therapy he provided to Jewish orphans in the Netherlands who had survived the Shoah.[14]
The importance of Keilson’s findings lies in the new perception of trauma, which is no longer understood as the consequences of a single event, but as a continuing process, even after the atrocities came to an end.[15][16]
In the early 1980s, before he was killed by right wing death squads, the Liberation Psychologist and Jesuit priest Ignacio Martín-Baró, from the Central American University at San Salvador, developed a broader socio-psychological understanding of trauma. According to Martín-Baró’s concept, trauma is not only an individual process but a social and political phenomenon that affects society as a whole. He described trauma as a link, which interrelates individual and society in a traumatic process. The psychosocial trauma can only be understood within its specific cultural and political context.[17][18][19]
Martín-Baró’s description of psychosocial trauma within the society of El Salvador amplifies the sequential model of trauma by Keilson, and underlines the importance of a survivor’s social environment on the further development on the traumatic process.
From 1982 to 1999 the German psychotherapist David Becker lived in Chile, where he attended survivors from torture and family members of forcibly disappeared people during the last decade of the dictatorship and afterwards. Together with other therapists from ILAS[4] he adapted Keilson’s findings to the Chilean situation. Based on the experiences from Chile and other parts of the world, Becker insists that there is no post-trauma but a continuous Socio-political Traumatic Process, which depends a lot on further developments within society.
According to Becker, trauma can be described as a “normal reaction to an abnormal situation” and he defines trauma on an individual and social level as the ‘destruction or fragmentation of memory’. Becker distinguishes between trauma as a psychological wound and the traumatic situation, which he sees as the “destruction of the social fabric, […] implying that human relationships and the basic laws that guide them have been attacked, hurt and possibly destroyed”. As a consequence Becker claims the necessity of both political change, including the survivors’ right for truth and justice, as well as a focus on the individual needs of those who have been victimized.[20][21]
Based on an understanding of trauma as a psychosocial process, with its individual and social implications, we address the question of impunity as a barrier to the recovery of survivors.
The broad variety of possible trauma symptoms is well described and will not be discussed here. At the same time it is well known that not everybody who has experienced severe violence automatically develops symptoms later. When we talk about mental health consequences of impunity, we are referring to the subgroup of survivors that developed symptoms and suffer from trauma.

How does impunity influence the traumatic process? ?

Most of the scientific research, which has been undertaken to investigate the impact of impunity on society and on the mental health perspective of the individual, was realized in the Southern Cone of Latin America, but there were some in South Africa too.[7][8][9][10][11][12][22][23][24][25][26][27]
Investigations on the influence of impunity on the traumatic process need to distinguish between survivors of severe human rights violations and a specific subgroup consisting of family members of those victims who have been forcibly disappeared and killed.
Since trauma is a normal reaction to an abnormal situation, often traumatized survivors themselves cannot believe the dimension of terror, threat and destruction they had to go through. Because their horrible experiences are exceeding their worst night mares, it is difficult to share the unspeakable with others, even with family members and friends. Additionally, through periods of authoritarian rule or conflict, perpetrators’ ideologies dominate the public discourses, polarize societies and as a result the bystanders avoid breaking the conspiracy of silence. Mostly survivors remain without a save environment where they can speak out openly and where their stories are heard, understood and recognized. Therefore the most important need of survivors is an acknowledgement from the surrounding society of the atrocities they underwent.
But impunity continues the atmosphere of silence. It obstructs a public debate about the crimes that have been committed and refuses the necessary acknowledgement to the survivors. There are many reports from different countries which demonstrate that under impunity the social stigmata against survivors continue and their exclusion from society is perpetuated.
Apart that, the free movement of perpetrators in the public, their remaining in powerful economic or political positions and their ability to protect themselves from prosecution, produces not only a continuous loss of trust in justice for survivors, but an ongoing latent or open psychological threat to their future and a permanency of degradation and humiliation.
Since trauma is a continuing process affected by and affecting the social relationships, impunity fuels the traumatic process.
The feeling of powerlessness, which already dominated during the traumatic experiences, persists due to impunity, prevents self-determination and goes hand in hand with a lack of self-confidence.
As a barrier for overcoming the traumatic experiences, impunity raises indignation, distrust, anger, rage and aggression among survivors, but their capacity of developing healthy aggressions has already been dam aged during their traumatic experiences. Those who suffered too much from violence often lost the ability to accept their own aggressive potential and feel incapable of canalizing it into rage. Many survivors turn their aggressions against themselves, instead of developing anger against their victimizers.
Due to the ongoing threat, survivors show an elevated mental vulnerability under impunity conditions. Mental health problems resulting from traumatic experiences can persist or be activated any time by certain daily events even years later. In particular, occurrences of repression, for example against present social pro tests, are reported to trigger traumatic memories.
Survivors who are family members of forcibly disappeared people are considered to be a specific subgroup of survivors.[28] They may suffer the same from impunity, but additionally their situation is harmfully influenced in a specific way:
Family members of the forcibly disappeared suffer from an uncertain loss. The more time goes by, the more obvious it might become that their relatives have, in fact, been murdered. But it is never definitely sure; the fate of their beloved ones remains unknown. The lack of information makes it difficult to accept the loss. There are reports that when leaving home each time, family members leave messages on a table for the missing relative for up to ten years after the disappearance. There weren’t any parting opportunities before the kidnapping of the disappeared took place, no burial after their killing and there are no graves to visit and remember them.
Under the permanent search for the whereabouts of the missing and for the circumstances of their enforced disappearances, there is no opportunity to accept the loss. Acceptance means betrayal of the beloved ones. In such a situation the trauma is ongoing, since all kinds of mourning necessarily remains in complete. Suffering from the trauma of an uncertain loss means that knowing the truth about the fate of the disappeared becomes a key question for recovery.
But under an atmosphere of impunity the searching relatives become a special target of disinformation and systematic lies by the state, putting them at a high risk for re traumatization. There are family members who participated in hundreds of exhumations whereas others reject exhumations categorically. Other reports mention incorrect identifications of remains that have been revealed later, when genetic examinations were undertaken. Quite often information has been offered to groups of family members in the context of a dirty deal, asking them to grant impunity to the perpetrators in exchange. And time and again the so-called information led to nowhere. During their ongoing search for the whereabouts of their beloved ones, family members stumble from hope to disappointment. The psychotic situation in between denial and acceptance continues, resulting in frustration, distrust, anger and rage.
Their exclusion from society, which started during the period of repression, remains under impunity conditions. There are numerous examples in which the social descent that resulted from the loss of a family member could not be overcome. And if there were any offers of compensation by the state, many family members refused them, because due to impunity they consider any kind of financial reparation as betrayal.
Although it is the systematic denial of information preventing them from finding the re mains or knowing the truth about the fate of their relatives, many family members attribute the failure of their search to themselves. Nearly all the treatment centers know cases of self-accusation by family members of forcibly disappeared people for not having been able to protect or to find the missing relative.
Under conditions of impunity, survivors in general and the subgroup of family members of forcibly disappeared people in their specific manner, keep continuously suffering from trauma. Impunity not only creates a strong barrier to a sustainable recovery, it continues and deepens the traumatic process and elevates the risk of retraumatization.

Can Truth Commissions heal the wounds of the past? ?

Since 1974, worldwide, more than 30 attempts have been undertaken to heal the wounds of the past by establishing Truth Commissions.
The idea behind most of the commissions was that the access to truth for survivors and the construction of a “historical truth” for the society might lead to reconciliation in the aftermath of trauma. During the 1990s, especially in South Africa, promises rose that the Truth and Reconciliation Commission (TRC) would have a sustainable healing effect on society, although perpetrators received amnesty in return for their cooperation. So was the hope in other countries as well. But, depending on their mandate, the vast majority of Truth Commissions didn’t have any legal instruments to force perpetrators to reveal the truth. Lots of final reports have never been finished or published and there are only a few examples where Truth Commissions were allowed to make public the names of perpetrators.
Many truth processes failed and also in South Africa there have been harsh criticisms from survivors and family members of victims concerning the TRC-process, especially on the amnesty for truth trade. A healing impact could not be affirmed.[25][26][27] Comparable critics are reported from East Timor.[29]
Of course, some of the Truth Commissions have been able to define a historical truth. In particular the efforts of the South African TRC, the Argentinean CONADEP[30], the Chilean Rettig- and Valech-Commissions[31] and the Peruvian CVR[32] did reach the public opinion to a large extent and created a realistic perspective on past human rights abuses. But at the individual level the truth finding had its serious limits, in particular in the disappearance cases. Many witnesses stayed with an incomplete truth after the commissions had finished their work.[2]
In most of the cases the recommendations by Truth Commissions – if there were any – haven’t been fulfilled by the governments of transition. There are only a few positive examples around the globe, especially if we look at the recommendations for justice and reparation. In most of the cases the inability to overcome the legal protection of the perpetrators assured by impunity laws continued. Recommendations for broad and integral reparation have stayed rare in the history of Truth Commissions.
During the past decade it became more and more evident that Truth Commissions alone cannot provide the promised therapeutic effect.They can be an important but additional instrument in the framework of measures that have to be undertaken to overcome the wounds of the past. Wherever legal impunity continues despite the work of Truth Commissions, a large number of survivors remains dissatisfied and keeps claiming justice.

Is there any proof that justice might heal? ?

If we take a look at transition, we need to distinguish different forms of bringing perpetrators to court.
At the international level, initially there have been the Nuremberg Trials (19451949). Nearly fifty years later transnational justice restarted in 1994. Since then it is carried out by UN-bodies such as the international criminal tribunals for the former Yugoslavia (ICTY 1994–2010) and for Rwanda (ICTR 1997–2010), the International Criminal Court in The Hague (ICC since 2002) and hybrid courts like the Serious Crimes Investigation Units in East Timor (SCIU 2000–2005), the Special Court for Sierra Leone (SCSL 2002–2008) and the Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia (ECCC since 2007).
Parallel to the UN-bodies, transnational criminal justice has been carried out by some national courts too. Since the late 1990s, there have been remarkable international trials according to universal jurisdiction in Argentina, Belgium, Chile, France, Germany, Italy, Senegal, Spain, Sweden and the United Kingdom.
The cases are few in which transitional justice has been carried out by courts in the same countries which have been affected by the atrocities before. Notable national trials took place in Argentina, Bolivia, Bosnia, Chile, East Timor, Germany, Greece, Paraguay, Peru, Rwanda, South Africa and Uruguay, most of them recently or after a long period of pressure by survivors or family member groups. Further national trials as, for example, in Ethiopia, Romania or Iraq, did not fulfill the demands of democratic rule of law.
In total the number of legal trials worldwide is few in comparison to the number of perpetrators.
In general, most of the sentences in national trials were quite low, or the perpetrators could soon profit from pardons and amnesty laws, so that impunity was reestablished after a while. In most of the mentioned countries only high rank repressors have been brought to justice and not even all of them.[2]
Greece is an exception from this tendency[33][34] and recently the number of trials in Chile and Argentina has increased significantly.[2][35] But the impact of the Greek trials on survivors never has been examined under a health perspective and the developments in Chile and Argentina are still too new to derive general lessons.
In order to cope with the large number of perpetrators, Rwanda chose an alternative and community-based model of jurisdiction by implementing traditional Gacaca-tribunals in 2002, which are more comparable to mediation than to trials under the rule of law. The out come of Gacaca has been critically investigated.[36][37] Of course there were survivors who could benefit from this model; but in general the doubts grew over time, in particular concerning how Gacaca has been carried out in practice.
Courts in third countries, where transnational lawsuits have been filed, often had to work under restrictions of the local criminal law, since universal jurisdiction hadn’t been established yet. Where convictions have been made or extradition demands have been issued the courts were confronted with difficulties in having the perpetrators extradited. There are only a small number of arrests re ported for example from Spain and Italy.[38][39]
Few studies measured the impact of UN-Tribunals on the recovery of survivors. One has been carried out by Eric Stover from the Human Rights Center at Berkeley University.[40] Stover interviewed witnesses at the ICTY about their expectations prior to testifying before the court and after their return to the former Yugoslavia. He detected that highly motivated survivors who participated as witnesses came back home from The Hague disappointed.There was a high level of unfulfilled expectations. The main critics considered convictions as being too mild and denounced the lack of extraditions from the former Yugoslavia. Also, security matters under the rule of impunity after their return played an important role for dissatisfaction. Several survivors felt threatened after their arrival back home. In particular the last two findings draw the attention to the fact that the UN-model of extraterritorial justice could not really break with the situation of impunity inside the countries of the former Yugoslavia.
Despite a couple of cases in which perpetrators could be brought to justice, the whole picture remains fragmented. For a long time the widespread global character of impunity was complete. Neither the international efforts nor the few national trials could really break the dominancy of a worldwide culture of impunity. Under these circumstances it is difficult to investigate what impact an end to impunity would have, and to which extend justice could really contribute to a healing process of past atrocities.
Changes, as they occurred recently in Chile and Argentina and to a much smaller extend in Peru and Uruguay too, are far too fresh to give complete evidence on a presumed healing potential of legal justice.
But there are a few examples, in particular from Latin America and South Africa, which show a positive impact of justice on mental health and can give evidence, at least to some degree, that legal justice can have a healing impact on those who suffer from trauma.
The arrest of the former Chilean dictator Pinochet on October 16, 1998, in London was a surprise for the whole world, and even more unexpectedly for the Chilean public. Not the arrest itself, but the House of Lords decision of November 25 when it was confirmed that Pinochet’s crimes were not covered by his presidential immunity, had a catalytic effect on survivors in Chile. Reports from therapy centers and human rights groups show that in late 1998, and during the following months, the atmosphere of silence broke. The former untouchable had been touched and while the Chilean government undertook strong efforts to save the former dictator from extradition to Spain, and despite of military threats inside Chile, people started to take side in the Pinochet case.[41] Survivors didn’t hide any longer.Therapy centers experienced a strong increase of demand from survivors who decided to talk about their traumatic experiences for the first time.[42]
According to our own observations, survivors who had returned to Chile from exile after 1989 tried to hide their past during the first years after their arrival. Beginning already in 1995 with the trial against the former Chief of the secret police Manuel Contreras and expanding after the Pinochet arrest in late 1998, they readopted their personal history and began to talk openly of being ex-political prisoners.[1] An association of former political prisoners has been set up all over the country and hundreds of survivors filed lawsuits against Pinochet and other military officers for torture, despite the existing amnesty law. So did the family members of the forcibly disappeared. Since that time the number of filed law suites steadily increased, not only against Pinochet but also against his henchmen down to the former torturers. By the end of 2005, 94 repressors had been convicted, 20 of them to life imprisonment. Another 405 court cases were still under trial.[43]
Reports from Uruguay and Argentina confirm that the Pinochet-Effect spread to the neighboring countries as well.
The breakdown of impunity in Argentina goes back to a continuous fight against impunity. After a series of trials during the first years of return to democracy, the elected governments granted impunity step by step and released the already convicted generals. It was the family members of the disappeared, the Mothers and Grandmothers of Plaza de Mayo, who played the leading role in overcoming impunity by their steady struggle, which lasted over three decades. The way the Mothers of the disappeared organized their struggle, beginning in the second year of dictatorship and continuing after return to formal democracy, has been the topic of a couple of controversy debates. While some authors consequently pathologized the Mothers’ refusal of any kind of reconciliation without justice, others classified their collective struggle as a method of developing a Sense of coherence, according to Antonovsky’s model of Salutogenesis. The collective search for their children and grandchildren triggered this development and helped to overcome isolation and fear. Taking up the struggle against the dictatorship and continuing it afterwards allowed them to regain activity despite the traumatic loss of their children. And their sometimes radical political demands for a different society, in particular their consequential fight against impunity, provided a sense of life.[25]
Until 2006 the Mothers of Plaza de Mayo clearly denied any cooperation with the different civil governments and repeated demanding the “return with life” of their children. Most of them denied exhumation, official acts of memory and reparations categorically. And they never did stop their continuous and often frustrating attempts to bring perpetrators to court. In 2000 the Grand mothers of Plaza de Mayo reached a partial success by cracking down the impunity laws in a specific case of abduction. Three years later, with the support of the recently elected president Nestor Kirchner, they achieved the complete abolition of the impunity laws and since then more than 1,000 cases had to be reopened and hundreds of perpetrators were taken into custody.[1][35][43]
After the breakdown of impunity, and with the support they had received by the Kirchner government, Mothers of Plaza de Mayo slightly changed their strict rejection of the state policies. From 2004 Mothers in fact began to accept memorials and from 2006 they started to cooperate with the Kirchner government, which could be understood as a hint that, with the rise of credibility of political and legal institutions, the psychological necessity for a role of fundamental opposition had decreased.
Uruguay is still far from the Chilean or Argentinean developments. Impunity is yet in power, but some lawyers have overcome amnesty laws in certain cases. Their first heavy strike against impunity was to put former dictator Juan María Bordaberry under trial in early 2006. And by chance the news of the High Court’s decision appeared in the media the same day as the burial of the first identified remains of a Uruguayan victim who had been forcibly disappeared 30 years before, took place. The funeral had a catalytic effect on Uruguayan family members and survivors. About 10% of the inhabitants of Montevideo were participating in the burial and newspapers reported that several disappearances from 30 years ago have been made public by family members for the first time. Several court cases were opened subsequently. Therapists reported an increase of demands by new clients. Former political prisoners started to tell their stories to their grandchildren, although before they had never shared their traumatic experiences, not even with their children.
There is only little evidence that legal justice has a healthy impact on the recovery of survivors.The examples illustrate that in some cases, in which perpetrators have been brought to court, positive effects could be recognized. Some other court cases didn’t have the same impact, in particular when they took place in far away courts while impunity inside the countries persisted. Also Truth Commissions were not able to fulfill the goal of healing the wounds of the past, at least for a relevant minority of survivors. Nevertheless, healing of extreme traumatic experiences is never a simple linear and straightforward mechanism. Since survivors keep claiming justice, legal justice is a necessary start but not the one and only step to be undertaken. Unfortunately it is the most missing piece in the complex multitude of necessary individual, social, political, legal and cultural measures in the aftermath of trauma. And without justice the traumatic process continues.

Which measures can contribute to the stabilization of survivors? ?

Sustainable recovery of individual and society needs responses to the past at different levels, which are not only linked, but interrelated to each other.
Truth finding, the creation of a collective memory, legal justice, rehabilitation and reparation are indivisible parts of an integral strategy to overcome the legacies of a violent past. They have to be complemented by structural reforms that prevent society from a reappearance of past conflicts.
Impunity denies these necessities partly or to a larger extent. None of the measures can be turned down without affecting survivors’ perspectives of recovery.
Truth finding allows survivors to speak the unspeakable publicly, and it socializes individual grief and pain. The revealed information can help family members to know about the fate of their forcibly disappeared beloved ones. The construction of an historical truth changes the discourse within society and contributes to social rehabilitation of survivors by providing an important part of the necessary acknowledgement by the public. Finding a historical truth prepares the construction of a society’s collective memory.
Creating a collective memory means more than only declaring the final re port of a Truth Commission an historical truth. Elaborating a collective memory needs to provide public access to archives, to investigate on different subjects of the past and distribute them in scientific publications as well as in school books and in popular media. Narrative history has to be continued even when the mandate of a Truth Commission might be over. Memories can become part of literature, music, theatre, movies and fine arts. Documentaries, newspaper background articles, exhibitions, memorials, museums as well as signs, indications and explanations at locations of importance, street names and wall paintings can keep the memory alive and prevent the past from amnesia.
However, truth and memory cannot stand alone. How can there be a definite truth about atrocities if those who committed the crimes are not held responsible? Criminal Justice is an elementary tool in dealing with the past. Just bringing the perpetrators to court can reestablish the rule of law, restore survivors’ trust in the institutions of society and rebuild a common sense about ethical values among the citizens.
Only by equality before the law can the perception of repressors as omnipotent untouchables be destroyed. By redefining who is perpetrator and who is victim, in all the complexity of this problem, legal justice contributes to the destruction of the propagandistic moral values implemented by past dictatorship or conflict parties.
Even survivors, who are not willing to participate actively in court cases can profit from the changes in public discourse and a conversion of public perception.The shift in the public discourse goes ahead with a shift of the roles attributed to survivors, not only if they were considered to be terrorist or criminals before. Role transformation is created actively when survivors become involved. Those who bring their cases to court leave former victim roles and play an active part in the construction of the future. In this way legal justice can lead to an empowerment of survivors of serious human rights violations regaining self-confidence and self-de termination by taking responsibility and playing an active role in society.Years after the traumatic experiences they have the opportunity to overcome powerlessness and hold the perpetrators responsible.
Of course, due to the risk of retraumatization in court, psychological support for witnesses is inevitable. However, with the necessary assistance, this approach to the traumatic memories can contribute to the integration of the traumatic experiences in survivors’ biographies.
A court decision to convict the perpetrator under the rule of law represents an important factor of acknowledgement for survivors and relatives of the forcibly disappeared. Holding perpetrators responsible can facilitate the acceptance of reparation and cannot be misunderstood as bribery.
For many survivors their trauma was not only physical, psychological or social, but economic as well. Suffering from torture or war crimes, having lost a family member, returning from prison or detention camps, or coming home from exile quite often goes hand in hand with a social descent. Jobs have been lost, education hasn’t been finished or other living conditions might be destroyed. Civil rights could have been suspended for a long time, and several social obstacles or maybe trauma symptoms can inhibit survivors from a new start.
Therefore, there is a high need for reestablishing the living conditions of survivors. They are entitled to full and unconditional compensation; which means that reparation schemes must be designed in an integral way, and, besides the necessity of material compensation, must lead to a comprehensive psychosocial, political and cultural rehabilitation and reintegration into social life.
Healing, in the full meaning of the word, includes the security that the past will never happen again. There is a high risk that the traumatic experiences might reoccur if there is no truth finding, no legal justice and if there hasn’t been established a culture of memory, which keeps the past awake and future generations alerted.
Therefore the construction of a sustainable stability in the aftermath of man made disaster has to be based on an analysis of the roots of past escalation of conflicts or repression. From this analysis measures can be derived to prevent society from repeating the past. Institutional reforms, such as military reforms, strengthening democratic structures, especially the independence of jurisdiction, developing a non-violent practice of conflict resolution, dissolving social injustice, developing an open and democratic culture within society and the integration of international law into the national penal code, can help to prevent a comeback of atrocities.

Conclusion ?

There is not one single and magic solution to the problem of dealing with the legacies of manmade disasters. Healing of psychosocial trauma is inevitably a lengthy and complex process. Under the atmosphere and culture of impunity a recovery of society is impossible and the recovery of individual survivors faces insurmountable barriers. Bringing perpetrators of gross human rights violations to court and holding them responsible for their crimes is a need, which has been ex pressed by survivors all over the globe. There can only be little evidence about the healing impact of legal justice, since impunity is still widespread. But where impunity broke down, some reports about serious improvements indicate the essential role of justice for the recovery from extreme trauma. Of course, criminal justice cannot stand alone and has to be combined with other measures of dealing with the past, such as truth finding, creation of a collective memory, integral reparation and rehabilitation and structural reforms. But the absence of justice is still a key problem in all parts of the world.
As long as there is no justice in the aftermath of conflicts, the fight against impunity is not only a necessary moral struggle for human rights, but also a basic need for the sustain able recovery of survivors.

Mit freundlicher Erlaubnis der Autoren entnommen aus:
Torture, Vol. 18., Number 1/2008


  1. Rauchfuss K. Gerechtigkeit heilt. Zur Bedeutung des Kampfes gegen Straflosigkeit für die Stabilisierungsprognose bei Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen. Zeitschrift für Politische Psychologie 2006;14(1+2):65–94.  ↩

  2. Schmolze B, Rauchfuss K. Gerechtigkeit heilt – der internationale Kampf gegen die Straflosigkeit schwerer Menschenrechtsverbrechen. Final Research Report. 2007. (In press).  ↩

  3. Center for Mental Heath and Human Rights.  ↩

  4. Latin American Institute of Mental Health and Human Rights.  ↩

  5. Argentinean Psychosocial Working and Investigation Group.  ↩

  6. Social Rehabilitation Service.  ↩

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  13. Center for Alternatives in Mental Health.  ↩

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  21. Becker D. Mental health and human rights: thinking about the relatedness of individual and social processes. Paper presented at the international conference: Towards a better future … building healthy communities. Belfast, 1–3 October 2003. www.medico-international.de/en/projects/social/ps_becker_en.pdf.  ↩

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  31. Named by their chairmen.  ↩

  32. Commission of the Truth and the Reconciliation.  ↩

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  42. Brinkmann B. Itinerario de la impunidad. Chile 1973–1999. Un desafío a la dignidad. Santiago de Chile: LOM Ediciones, 1999.  ↩

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