Zur Versorgungssituation traumatisierter Flu?chtlinge am Beispiel des Behandlungszentrums fu?r Folteropfer Ulm – Psychische und Ko?rperliche Beschwerden nach Extremtraumatisierung

Dissertation von Nicole Leißner

Fu?r schwerwiegende traumatische Ereignisse, wie durch Menschen verursachte Misshand- lungen und insbesondere Folter, wurde der Begriff der Extremsituation bzw. der Extrem- traumatisierung gepra?gt. Diese Begriffe gehen auf den Kinderpsychologen und Wissen- schaftler Bruno Bettelheim zuru?ck, der damit seine Erfahrungen im Konzentrationslager be- schrieb (Bettelheim, 1980). Leider ist der Begriff der Extremtraumatisierung nach wie vor bedeutsam. Im aktuellen Jahresbericht von 2007 resu?miert Amnesty International, das in 102 von den 153 im Jahresbericht aufgefu?hrten Staaten Menschen misshandelt bzw. gefoltert werden (AI, 2007). Es kann davon ausgegangen werden, dass ein betra?chtlicher Teil der in Deutschland Asyl Suchenden unter den Folgen ihrer traumatischer Erfahrungen leidet (Silo- ve et al., 1997, Ga?bel, 2005, Gerritsen, 2006).

Die mit extremer Traumatisierung verbundene pathologische Reaktion wird typischerweise unter der Diagnose „Posttraumatische Belastungssto?rung“ (Dilling et al., 1999: F 43.1, ICD 10, WHO) klassifiziert. Dieses Sto?rungskonzept liegt der aktuellen Traumaforschung und der klinischen Praxis zugrunde. Die Kernsymptomatik der Posttraumatischen Belastungssto?- rung umfasst Intrusionen bzw. Erinnerungsattacken, Vermeidungsverhalten sowie ko?rperli- che U?bererregung (ICD 10, WHO 1999). U?ber die posttraumatischen Belastungssymptome hinaus neigen traumatisierte Flu?chtlinge jedoch zu einer Vielzahl weiterer ko?rperlicher und psychischer Beschwerden, insbesondere Schmerzen, Depression, Angst, Sucht, Dissoziation (Thomsen et al., 1997, Mollica et al., 2001, Lindert & Traue, 2003, Flatten, 2004, Quiroga & Jaranson, 2005). Das Modell der Posttraumatischen Belastungssto?rung beru?cksichtigt aller- dings die ko?rperliche Konsequenzen, sowie die kultur- und geschlechtsspezifischen Beson- derheiten extremtraumatischer Erfahrung nur unzureichend.

Deshalb werden in der vorliegenden Arbeit unter Beru?cksichtigung von geschlechts- und la?nderspezifischen Besonderheiten Art und Ausmaß der traumatischen Erfahrung, sowie die damit verbundenen Beschwerden der Klientenpopulation des Behandlungszentrums unter- sucht.

Der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung innerhalb der Strukturen des deutschen Ge- sundheitssystems ist fu?r traumatisierte Flu?chtlinge insofern erschwert, als sie nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (vgl. $4 AsylblG, 1993) lediglich Anspruch auf Behandlung bei akuten Erkrankungen oder akutem Schmerz haben. Um traumatisierten Flu?chtlingen eine angemessene gesundheitliche Versorgung zu gewa?hrleisten entstanden außerhalb der gesetz- lichen Regelversorgung Behandlungszentren fu?r Folteropfer, beispielsweise in Berlin und Ulm. Am Beispiel des Behandlungszentrums fu?r Folteropfer Ulm wird in dieser Arbeit un- tersucht, inwieweit eine ada?quate psychosoziale Versorgung betroffener Flu?chtlinge in der Praxis erreicht werden kann. Hierzu werden Art und Umfang der bisher geleisteten Arbeit der Behandlungseinrichtung dokumentiert.

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